Samstag, 31. Januar 2009

Moulin de Guiet 2005

Es wird Zeit ein paar Notizen der vergangen Tage nachzutragen. So wie diesen Bordeaux, der vor ein paar Monaten beim Discounter Hofer angeboten wurde. Der Wein stammt aus der Region Côtes de Bourg, am rechten Ufer der Gironde. Eine eher wenig prestigeträchtige Appellation, deren günstigere Weine meist direkt in Frankreich getrunken werden. Insgesamt gibt es hier rund 550 Winzer, von denen rund die Hälfte den 4 großen Winzergenossenschaften angeschlossen sind. Dieser Wein stammt z.B. aus der Winzergenossenschaft von Pugnac. Vermutlich handelt es sich um einen von Merlot dominierten Wein, da diese Appellation zu rund 2/3 Merlot mit bestockt ist.

Der Jahrgag 2005 gilt in vielen Anbaugebieten Frankreichs als ein exzellenter Jahrgang. Das trifft auch für die Region Bordeaux zu. Gerade in solch guten Jahren lohnt es sich oft, auch mal die kleineren Weine auszuprobieren. Mitunter hat man Glück und stößt auf einen sehr guten Wein zu einem guten Preis.

Château Moulin de Guiet 2005, Côtes de Bourg - PASS - (€5,99 Hofer, nur kurzfristiges Angbot)

Dunkles Rubinrot. Recht zugängliche Nase: eingekochte Früchte, Pflaume, Kirschen und Gewürze. Am Gaumen zuerst eine sehr markante Lakritznote, welche sich nach ein paar Stunden verflüchtigt. Dahinter Aromen von Pflaumen und dunklen Beeren. Durchaus üppige und saubere Frucht. Der Wein zeigt sich mittelgewichtig und besitzt eine recht rustikale Textur. Die Tannine sind noch sehr dominant und wirken sehr spröde und etwas grün. Auch die Säure wirkt etwas hoch und im Nachgeschmack treten leichte Bitternoten hervor. Insgesamt ein Wein, der in sich nicht stimmig ist und dessen Bausteine (noch) nicht zusammengefunden haben. Wenn ich noch eine Flasche hätte, würde ich sie noch gut 2 Jahre im Keller liegen lassen und dann erneut probieren. Ein großer Wein wird das dann sicher auch nicht, aber vielleicht werden die Tannine doch noch ein wenig zugänglicher.

84/100 Punkte

Donnerstag, 22. Januar 2009

Barolo trifft Blaufränkisch

Gestern stieg in Graz eine inzwischen zum Fixprogramm gewordene Veranstaltung, die "L'Insieme Degustations Tour", bei der die Winzer der Insieme Gruppe aus dem Piemont auf einige Top-Winzer aus dem Südburgenland treffen und eine Auswahl ihrer aktuellen Weine zur Verkostung anbieten. Der Reinerlös der Veranstaltung kommt mehreren humanitären Projekten in Afrika zu Gute.

Dies war die Gelegenheit mich endlich auch mal mit dem Thema Barolo auseinanderzusetzen, der bislang aus Kostengründen und Mangel an Erfahrung mit diesem Weinstil noch so gut wie nie bei uns am Tisch stand. Dass diese Weine großartig ausfallen können, ist ja bekannt, und das zeigte sich auch gestern.

Generell ist es natürlich schwierig bei solchen Veranstaltungen detailliert zu verkosten. Bei 50 verschiedenen Weinen, die meisten sehr jung und tanninlastig, fällt es irgendwann schwer noch genauer zu differenzieren. Ich werde trotzdem meine Verkostungsnotizen anführen, möchte aber darauf hinweisen, sie bitte nicht allzu genau zu nehmen. Denn:

1. gerade mit Barolos fehlt mir jegliche Erfahrung. Der einzige Barolo, an den ich mich erinnern kann, war ein Discounter-Barolo, der alles andere als berauschend war.

2. keine optimalen Verkostungsbedingungen.

3. ein mit der Zeit steigender Alkoholspiegel trug auch nicht grad zur Schärfung der Sinne bei.

4. Verkostung von sehr diversen Weinstilen und Rebsorten in kurzer Zeit.

5. Verkostung von sehr jungen und enorm tanninlastigen Weinen, deren Potential abzuschätzen wahrlich nicht einfach ist.

6. Die Baguettes mit Parmaschinken, waren zwar lecker, aber Salz und Tannin sind leider kein sich allzu freundlich gesinntes Duo.

Daher alle Verkostungen nur als grobe Annäherungen sehen, mehr sind sie nicht.

Bemerkenswert fand ich, dass die burgenländischen Weine gestern absolut mithalten konnten, vielleicht auch deshalb, weil ich deren Weinstil bereits viel besser kenne und gewohnt bin. Die meisten Burgenländer zeigten sich auch schon deutlich zugänglicher als die Weine aus dem Piemont. Auffällig waren auch die markanten, teils auch unsauberen und übertriebenen Holznoten bei den italienischen Weinen. Natürlich verschmelzen diese mit der Zeit noch viel besser mit dem Wein, aber bei allen Weinen war ich mir nicht sicher inwieweit dies harmonisch erfolgen kann. Aber um dies beurteilen zu können fehlt mir auch die nötige Erfahrung.

Im Folgenden nun die kurzen Verkostungsnotizen. Zuerst die italienischen Winzer, dann folgen die österreichischen, jeweils in alphabetischer Reihenfolge. Alle Weine, deren Punktezahl in Klammern steht, waren noch sehr verschlossen und brauchen z.T. noch einiges an Zeit. Die Punktezahl ist daher mehr eine vorsichtige Prognose, und weniger ein Abbild des aktuellen Trinkvergnügens. Einige Weinverkostungen habe ich mit dem Zusatz "SV" versehen, für "spät verkostet". Diese Weinen habe ich erst am Ende und nach den Barolos verkostet und sie hatten daher keine ganz fairen Bedingunge mehr. Die Geschmacksknospen machen ja irgendwann auch nicht mehr mit ;-)

Inzwischen (über ein halbes Jahr später) habe ich in Klammern unter WS, WA, IWC auch die Punkte von den amerikanischen Weinjournalen (von Nov. 2009, bzw. Mai 2009) hinzugefügt. So weit liegen wir da ja alle nicht auseinander.

Insieme Winzer:

Gianfranco Alessandria:
  • Barbera d'Alba Vitoria 2006: kirschig, sehr saftige Strukur, bereits recht zugänglich, es fehlt etwas an Komplexität - 87 Punkte
  • l'Insieme 2005: dunkel; dichte Struktur, Schwarzkirschen und dunkle Beeren, sehr erdig und bodenständig, herbwürzig, kräftiges Tanningerüst, leichte Bitternote im Abgang. - (88-89 Punkte)
  • Barolo 2005: vergleichsweise dünner Körper und recht wenig Tannin, saubere Edelholznote, trinkanimierender saftiger Stil, feine Kirschenfrucht. (88-89 Punkte) (WS:87; WA:91)
  • Barolo San Giovanni 2005: deutlich markanteres Tannin, dichter in der Struktur, ähnliche Aromenkomplexität, wie der klassiche Barolo, aber etwas üppiger und konzentrierter, leider etwas alkohollastig geraten.. Ob sich das einfügt? (88-90 Punkte) (WS:89; WA:93, IWC:88)

Altare:
  • Dolcetto d'Alba 2007: Bereits recht zugänglich, frische Waldbeeren und Kirschen, mit erdigen Noten, gut - 88 Punkte (WA:89)
  • Barbera d'Alba 2007: reife dunkle Beeren in der Nase; kirschig, erdig am Gaumen, sehr stoffig, fruchtsüß und fein strukturiert. sehr gelungen - (89 Punkte) (WS:90)
  • L'Insieme 2005: ungemein saftig, trinkanimierend, mit feiner und geschmeidiger Struktur, dicht und harmonisch, sehr fein eingebundenes Holz, tolles reifes Tanningerüst, ganz großer Stoff. großes Potential - (92 Punkte)
  • Barolo Vigneto Arborina 2005: dicht und großartig strukturiert, sehr markante aber reife Tannine,trotzdem ungemein geschmeidige Struktur und Frucht; noch zu holzlastig, aber die Holznoten sind sehr edel und sauber und sollten sich toll einfügen. Ganz großer Wein mit großem Potential. - (93 Punkte) (WS:94; WA:94; IWC: 93)

Corino:
  • L'Insieme 2005: feine Strukur, sehr dicht, gutes Tanningerüst und edle, saubere Holznote, ein wenig scharf, Kirschen und Pflaumen im Hintergrund. Das wird s. gut - (89 Punkte)
  • Barolo 2005: sehr elegant eingebundenes Holz, sehr harmonische Stilistik, reife Tannine, bereits recht zugänglich und offen. Ganz fein - (90-91 Punkte) (WS:92; WA:87; IWC:89)Aufzählung
  • Barolo Giachini 2005: Enorm tanninbetont und verschlossen, trotzdem eine trinkanimierende saftige Stilistik, feine Edelholznote, toller Stoff, aber viel zu jung. - (91-92 Punkte) (WS:93; WA:89; IWC: 91+)

Silvio Grasso:
  • Nebbiolo d'Alba 2005: recht dünn, strukturlos, markante Stallaromen in Nase und am Gaumen, leichte Bitternote, irgendwie unsauber, gefällt mir nicht - 84 Punkte
  • L'Insieme 2005: eher leichte Stilistik im Vergleich zu den anderen Insieme-Weinen. Noch sehr holzlastig, da fehlt mir aber die Frucht und Strukur dahinter. - (87 Punkte)
  • Barolo Bricco Luciani 2005: nicht existente Nase; Am Gaumen eher dünne Struktur, kaum Frucht, ein wenig brennend, schnapsartig im Abgang. Ich sehe nicht, wie das zu einem harmonischen Ganzen werden soll. Hat mir nicht gefallen - (83 Punkte) (WS:91; WA:92; IWC:89)

Morandina:
  • L'Insieme 2005: enorm dunkel, fast schwarz. Sauerkirschen mit vanilligen, aber leicht bitteren unsauberen Holznoten, sehr erdig und viel Tannin, sehr dichte üppige Struktur. Braucht Zeit. - (87+ Punkte)
  • Barbareso 2004: dunkel mit Ockerrand, Schwarzkirschen, gut strukturiert, noch sehr tanninbetont, aber leicht oxidativ. - (88 Punkte)

Revello:
  • Langhe Nebbiolo 2006: saftige Struktur, recht gut antrinkbar, eher schlicht. - 87 Punkte (WS:87)
  • L'Insieme 2005: noch sehr holzlastig, aber sehr edle Holznoten, gute Struktur im Hintergund, recht frische trinkanimierende Stilistik. Gutes Potential - (89 Punkte)
  • Barolo 2005: Sehr elegante Struktur, feine Edelholnote, noch sehr tanninbetont, frische trinkanimierende Stilistik. s. gutes Potential - (90-91) (WS:88; WA:90; IWC:89)
  • Barolo Vigna Conca 2005: Noch sehr tanninlastig und Holzbetont. Aber ungemein feine und engmaschige Struktur. In sich sehr harmonisch aufgebaut und komplex. Sehr feine vanillige Edelholznote. Das hat enormes Potential - (92 Punkte) (WS:94; WA:92: IWC:91+)

Mauro Veglio:
  • Barbera d'Alba Cascina Nuova 2006: eher schlicht und unauffällig - 86 Punkte (WS:88)
  • L'Insieme 2005: Ein Stinker. Auch am Gaumen Stallaromen. Da stimmt was nicht. Schlechte Flasche? - 70 Punkte
  • Barolo Vigneto Gattera 2005: Sehr langweilig, dünn und nichtssagend, kein Vergleich zu den anderen Barolos heut Abend. - 86 Punkte (WS:91; WA:91: IWC:90+)
  • Barolo Castelletto 2005: sehr stoffig, sauber, gute Tanninanlagen, deutlich besser als der Gattera. Hat Potential. - (89 Punkte) (WS:91; WA:89: IWC:90+)

Winzer Südburgenland:

Kopfensteiner:
  • Blaufränkisch Bründlgfangen 2006: siehe frühere VKN hier!
  • Blaufränkisch Weinberg 2006: sehr fein, saubere Kirschenfrucht, durchaus stoffig, mineralisch, bereits zugänglich - 89-90 Punkte
  • Blaufränkisch Eisenberg: Feine Kirschenfrucht, sehr mineralisch unterlegt, sehr runde harmonische Strukur, etwas dichter als Weinberg, feines Edelholz, noch etwas tanninlastig, braucht Zeit. Sehr gutes Potential - (91 Punkte)
  • Border 2006: Trotz der Dichte ungemein elegant strukturiert, geschmeidig am Gaumen, mit weichem und langem Abgang. schöne Edelholznote. Das wird sehr gut. - (92 Punkte)
  • Border 2003: Wow! Komplex und mineralisch. Bereits markante BF Altersnoten, die für zusätzliche Komplexität sorgen. Ungemein saftig und geschmeidig. Noch etwas markantes Tanningerüst erhalten, aber bereits in einem schönen Trinkreifestadium. Sehr fein. - 92 Punkte

Krutzler:
  • BF Reserve 2005: recht dünn, Sehr saftige und trinkanimierende Stilistik, mineralisch (blutig), Waldbeeren. Recht einfach gestrickt, aber süffig. - 88 Punkte
  • Perwolff 2005: Sehr stoffig, gute Struktur, saftige Stilistik, edles Holz, noch tanninbetont und noch nicht harmonisch. Etwas verhalten. - (89 Punkte)

Schützenhof:
  • Blaufränkisch Weinberg 2006: sehr tanninbetont, kirschenfrucht, etwas herb mit leichter Bitternote. gute Struktur. Braucht noch Zeit - (88 Punkte)
  • Blaufränkisch Senior: aus Magnumflasche. Feines, aber etwas zu markantes Holz, recht tanninlastig, gute Struktur, derzeit eher verschlossen. Nicht ganz stimmig. - (88 Punkte)
  • Blaufränkisch Senior 2000: aus Magnumflasche. recht stinkige Nase, sehr erdig am Gaumen, etwas muffig und unsauber wirkend, stoffig und gute Struktur, leicht brennender Abgang. Das harmoniert alles nicht so recht. - 86 Punkte (SV)
  • Kastellan 2004: sehr dunkel; süßes, vanilliges Holz, aber nach meinem Geschmack zu viel Holzeinfluss. Stoffiger Wein mit eleganter trinkanimierender Stilistik. Falls sich das Holz noch besser einbindet, kann der Wein klasse werden. Derzeit noch sehr jung. - (90 Punkte)

Wallner:
  • Kentaur 2005: Sauberer Wein von seriöser Stilistik, Frucht ist etwas unterdrückt. Insgesamt aber auch etwas dünn und nichtssagend. Eher ein Essensbegleiter als ein Solowein. Bereits zugänglich. - 88 Punkte
  • Kentaur 2002: Riecht und schmeckt nach frischem Kuhmist. Zudem unsauber wirkendes Holz. Hat eigentlich eine sehr schöne Struktur und eine schöne reife Frucht, aber diese Mist-Aromen: puuuuhhh. Einige mochten den Wein trotzdem, das ist halt Geschmackssache. Mein Fall wars nicht. - 85 Punkte (SV)
  • Blaufränkisch Alte Reben 2005: feine Nougat- und Schokonoten, saftige Kirschenfrucht und Brombeeren, sehr eleganter Stil, schöne mineralische Würze, sehr gelungen. - 90 Punkte

Wachter-Wiesler:
  • Blaufränkisch Béla-Joska 2006: Erst nach den Barolos verkostet. Wirkte da doch sehr dünn und recht säurebetont. Auch etwas grün und vegetabil. Aber als einfacher Wein durchaus ansprechend und saftige Stilistik. Sehr kirschig. Hat vielen anderen sehr gut geschmeckt. - 86-87 Punkte (SV)
  • Blaufränkisch Pfarrweingarten 2005: Sehr kirschig, recht zugänglich, mineralisch, etwas herb und leichte Bitternote. Kann noch liegen. - (88 Punkte)
  • Blaufränkisch Pfarrweingarten 2003: Ein weiterer leichter Stinker. Sehr würzig, mineralisch, etwas brennend, nicht ganz stimmig, aber auch nicht übel. - 87 Punkte (SV)
  • Julia 2006: dunkle Beeren und Zwetschgen. Noch sehr holzgeprägt, stoffig, tanninbetont, noch recht rauh und verschlossen, aber mit sehr guten Anlagen, mineralisch, leichte Bitternote im Abgang. s. gutes Potential. - (90 Punkte)

Weber:
  • Blaufränkisch Weinberg 2007: Eher leichte Stilistik, aber sehr süffig und elegant strukturiert. Macht bereits Spaß. - 88 Punkte
  • Blaufränkisch Centauros 2005: Recht zugänglich, straffe, elegante Stilistik, sehr gut ausbalanciert, schon recht rund, vielleicht etwas zu gefällig. Feine Edelholznote. - 89 Punkte
  • Vinea 2006: Sehr würzig, stoffig, sehr runde Stilistik, trinkt sich bereits recht schön, sehr feine Edeholznote. Elegant. Kann zu einem schönen Speisenbegleiter reifen. - (90-91 Punkte)
  • Vinea 2002: Sehr elegante, stoffige Cuvée, merkbare Reifenoten, sehr saftige Frucht, sehr feines Holz, rund und geschmeidig, wunderbar trinkreif. Ein klasse Südburgenländer. - 91 Punkte

Wer noch Interesse an der "L'Insieme Degustationstour" hat, am Samstag den 24.01 ist die Gruppe inkl. der südburgenländischen Winzer in Salzburg zu Gast. Einen Tag vorher am 23.01 sind sie im Mueseum Lentos in Linz. Reservierung ist nötig, falls es überhaupt noch Karten gibt. Weitere Infos hier , bzw. hier.

Montag, 19. Januar 2009

Cumulus Shiraz Climbing 2006

Heute hat der erste Wein von der Südhalbkugel seinen Verkostungsauftritt im Blog und zwar ein australischer Shiraz, so heißt dort die Syrah Traube, die v.a. ja durch die Weine der (nördlichen) Rhône berühmt wurde und inzwischen auch ganz fantastische Weine in Australien, Südafrika, USA etc. ergibt. Der heutige Wein ist allerdings nicht ganz der klassische australische Shiraz, den dieser hier kommt nicht aus den berühmteren warmen Anbauregionen wie z.B. Barossa, sondern aus der Region Orange, 250km westlich von Sydney, wo die höchst gelegenen (ca. 600m Seehöhe) und mit die kühlsten Anbaugebiete Australiens zu finden sind. Die "cool climate" Weine geraten meist nicht so üppig und dicht, wie die Weine der heißen Regionen, gelungene Exemplare bestechen aber dafür durch mehr Finesse.

Den Cumulus Shiraz Climbing gab es vor einigen Wochen im Angebot um €6,50 bei Interspar und da der Wein bei diversen Weinverkostungen stets hoch gelobt wurde, wollte ich der Sache natürlich auch auf den Grund gehen. Der bekannteste australische Weinkritiker James Halliday zeigt sich jedenfalls begeistert und prognostiziert dem Wein sogar beachtliche Lagerfähigkeit. Da seine Kritiken für meinen Geschmack jedoch oft etwas zu positiv ausfallen, bin ich hier etwas skeptischer. Das einer Investmentfirma unterstellte und noch recht junge Untermehmen Cumulus Wine Estate bewirtschaftet rund 500 Hektar Rebflächen, wäre also für österreichische Maßstäbe ein Gigant, aber in Australien, wo alles etwas größer dimensioniert ist, ist dies nicht außergewöhnlich groß. Die Weine der Serie "Climbing" stellen derzeit die höchste Qualitätsstufe im Sortiment dar.

Cumulus Shiraz Climbing 2006 - BUY - € 9 (Interspar)

Tief dunkles Rubinrot. Sehr offene und betörende Nase mit reifen Brombeeren, Pflaumen, etwas Cassis, würzigen Noten etwas elegantes Mokka und etwas Lakritz. Am Gaumen, wie erwartet, nicht die Barossa-Fruchtbombe, sondern von mittlerer Dichte und elegant strukuriert mit weichen, bereits zugänglichen, aber präsenten Tanninen. Trotzdem sind die Aromen von reifen dunklen Beeren voll enfaltet und werden von einer enorm würzig pfeffrigen Note gestützt. Dahinter entwickelt sich eine saubere und finessenreiche, leicht derb ledrige Note vom Eichenfassausbau. Sehr komplex und v.a. herrlich miteinander verwoben. Das hat wahrlich Klasse. Bereits sehr zugänglich, aber sicher auch 5-8 Jahre lagerfähig. Aber wozu liegen lassen, wenn er jetzt schon so viel Freude macht.
Fans des üppigen und marmeladigen Stils werden vermutlich nicht ganz so begeistert sein. Wer etwas subtilere und weniger üppige Shiraz-Weine mag, dem dürfte dieser Wein gefallen. Zumal er, was die Frucht betrifft, durchaus die selbe Offenheit und Entfaltung zeigt, wie andere australische Shiraz-Weine. Meinen Geschmack trifft der Wein voll und ganz, wenngleich ich ihn aufgrund seiner Würzigkeit auch nicht jeden Tag trinken möchte. Auch für die regulären €9 eine Empfehlung.

90/100 Punkte

Sonntag, 18. Januar 2009

Mittl Kathalena 2006

Beim heutigen Wein handelt es sich um einen Blaufränker aus dem Südburgenland vom Weingut Familie Mittl in St. Margarethen. Etwas abseits vom Schuss der bekannten Produzenten am Eisenberg und in Deutsch-Schützen produziert die Familie Mittl solide Weine mit oft gutem Preis-Leistungsverhältnis. Der Blaufränkisch Kathalena ist bei uns seit einigen Jahren ein verlässlicher Alltagswein.

Familie Mittl, Blaufränkisch Kathalena, 2006 - NAJA - (ab Hof ca. 5 Euro)

Durchscheinendes Rubinrot. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen ungemein fruchtig strukturiert mit Anklängen von Blaubeeren und Zwetschgen. Sehr saftig, durchaus füllig und süffig, ohne besonderes Tanningerüst und leider auch ohne besondere Struktur und Komplexität. Die Primärfrucht ist zwar sauber und saftig, aber es fehlt ein wenig an Sekundäraromen, um auch interessant zu sein. Mir hat da der komplexere und terroirbezogenere 2005 deutlich besser gefallen. Manchmal kann halt auch in einem angeblich schlechteren Jahrgang ein interessanterer Wein enstehen. Auch der Zweigelt Marienfeld 2006 um 4 Euro gefällt mir diesmal besser als der Kathalena. Daher nicht unbedingt eine Empfehlung, wenngleich der Wein grad für Wein-Einsteiger und Gelegenheitstrinker schön zugänglich ist und Spaß macht und er für den Preis auch ein solider Wein ist. - 85 Punkte

Freitag, 16. Januar 2009

Neue Verkostungen

Zeits wird's die Verkostungen der letzen Wochen online zu bringen. Da ich nicht über jeden Wein einen eigenen Post erstellen möchte, gibt es diesmal alles in einer Auflistung. Und da ich die meisten Notizen bereits in Englisch auf Cellartracker eingetippt habe, und die Zeit grad etwas knapp ist, werde ich sie diesmal einfach auf Englisch hier hineinkopieren und ggf. das ein oder andere auf Deutsch ergänzen. In Kürze gibt es dann wieder längere Berichte, versprochen.


Château Bahans Haut Brion 1999, Bordeaux, Péssac-Léognan (diverse internationale Weinhändler)
A classic Bordeaux of the elegant style rather than powerful. Complex with cherry fruit and hints of smoked oak. Smooth tannins and ready to drink. I don't see much potential left, but it will hold several more years. Food-friendly. - 88 points

Ich hab diesen Zweitwein von Château Haut Brion einst im Ausverkauf um 18Euro erstanden. Zum normalen Marktpreis (über 30 Euro) ist er sein Geld meiner Meinung nach nicht wert.

Weingut Eberherr, Blaufränkisch 2005, Neusiedlersee-Hügelland (ca. €6 ab Hof)
Transluscent ruby red. Nose of red berries, a hint of mocca and rubber. On the palate it is leight-weighted and a bit alcoholic, with wild berries, cherries and prunes. The finish shows mocca and nougat notes. A solid and recommendable everyday drinker. - 86 points

Reiger, Cuvée Lucie 2002, Südburgenland, Eisenberg (ca. 9€ ab Hof)
This is a cuvée of the local red grapes Blaufränkisch and Zweigelt. It has aged in barrique for a few months. It was the wedding wine of this rather unknown winemaker, so I guess he has put some extra effort into it ;-)
Color: dark ruby red. Nose: dark cherries, blackberries, very grapy. Taste and palate: Wow! Extremely smooth, almost like satin on your tongue. Very fine knit tannin structure. Very special. Nice dark fruit of cherries; perfect integration of the barrique notes with secondary aromas of dark chocolate. A bit hollow in mid-palate but good finish. In summary a total "smoothie"; maybe a bit too smooth for some. A positive surprise. - 89 points

Weingut Scheiblhofer, Big John Reserve 2003, Neusiedlersee, Andau (ca. €9 ab Hof, u.a. auch bei Wein&Co)
This dark red cuvée of Zweigelt and Blaufränkisch is a modern style wine, concentrated, with silky and sweet tannins. Lots of oak notes left, but enough concentrated fruit to balance it. Showing first signs of age which only seem to add a new dimension and class. Luscious and complex, this wine will please most palates. Excellent drinking now. - 90 points

Weingut Scheucher, Grauburgunder 2007, Südsteiermark (ca. €7 ab Hof)
Brownish to orange in color. Dense and supple on the palate with aromas of peach and nuts. Matching but rather low acidity leves, a hint of residual sugar. Seems like a well-aged wine although it is only about a year old, maybe a result of a long skin contact? A very interesting wine. - 87 points

Maison Albert Bichot, La Madone, Fleurie 2006, Frankreich, Beaujolais (ca. 9€, Interspar)
Stinky nose, simplistic, thin and somewhat artificial candy like taste of cherries and raspberries. Not bad for a Beaujolais, but it is just not my cup of tea. - 83 points

Franz u. Elisabeth Lentsch, Chardonnay 2007, Neusiedlersee (5,30€ ab Hof)
Lots of golden delicious apple on nose and palate, also hazelnuts and almonds. A slightly bitter finish. A cool climate steeltank Chardonnay. Well made, but not great. Drink now. - 86 points

Cantina Produttori Bolzano, Lagrein Perl, 2005, Italien, Südtirol (ca. 8€ ab Hof)
Cheesy nose. Well balanced, with solid tannic backbone. Opens up nicely on second day. Cherries dominate the palate with a hint of earthiness and forest soil. Neither an easy drinking, nor a very complex wine. A medium-bodied everyday drinker that should be served with food. - 87 points

Markus Huber, Grüner Veltliner 2007, Traisental (ca. 7€ ab Hof, u.a. auch Interspar)
Yellowish in color. Nose and palate are dominated by green apples. Wine should not be served too cold or nose won't unfold. Very juicy on the palate, good density, clean style and a hint of minerality and residual sugar. A very good example of a classic Grüner Veltliner. - 87 points

Cascina Luisin, Dolcetto d'Alba Bric Trifüla, 2006, Italien, Piemont (ab Hof, Preis ?)
Very dark purple color. Restrained nose of cherries. Dense and luscious on the palate, quite tannic, prominent acidity. Cherries and hints of plum, rustic wine with grippy tannins. Opens up after several hours of air exposure. Medium finish. Not the standard smooth easy drinking Dolcetto, this is a serious wine that will profit from ageing another year or two. - 87+ points

L'Ecole No. 41, Sémillon 2005, USA, Washington State (ca. 12€, Mövenpick)
Complex nose of lime and nettles backed by prominent vanilla and caramel notes from barrel ageing. Quite dense on the palate there is butter, cream, vanilla and herbal notes, but also a refreshing component of lime and melon. A well-balanced initial attack, but then the mid-palate falls apart and gives way to an unbalanced, hot (14% Alc) and slightly bitter grapefruit finish. Unfocused and a hint too much oak flavors here. - 87 points