
Vor ein paar Tagen waren wir bei einem Freund zum Essen eingeladen und haben dazu einige französische Weine getrunken. Als erstes stand ein Bordeaux auf dem Programm. Für die meisten ist Bordeaux wohl der Inbegriff für Rotwein, und das durchaus zu Recht, denn rote Bordeaux haben den weltweiten Rotweinstil maßgeblich mitgeprägt und gehören auch heute noch zu den gesuchtesten und faszinierendsten Weinen.
Dass es in Bordeaux aber auch exzellente Weißweine gibt, wissen dagegen viele Leute nicht. Und ganz ehrlich, es gibt auch nicht viele Weinhändler in Österreich, die weißen Bordeaux in ihrem Sortiment haben. Schade, denn viele Weißweine sind ebenso faszinierend wie ihre roten Gegenstücke. Angefangen von den eher einfachen Weißen aus Entre-deux-Mers geht es bis zu den großen und lagerfähigen Cru Classé Weinen aus Péssac-Léognan.
Unser weißer Bordeaux stammt aus Péssac-Léognan. Diese Appellation liegt direkt südlich der Stadt Bordeaux, ja zum Teil sogar mitten in den Vorstadtvierteln Bordeauxs, und existiert in ihrer Form erst seit 1987, als die besten Gemeinden der übergeordneten Region Graves zu einer eigenen Appellation zusammgefasst wurden. Die Gründung dieser Appellation ist isbesondere einem Mann zu verdanken: André Lurton (
siehe Artikel). Ohne seine großen Aufkäufe von Weingütern in der Region und seinen Kampf um die Gründung einer eigenen Appellation wäre ein Großteil von Péssac-Léognan heute verstädtert oder verwaldet. Heute finden sich hier viele bekannte Châteaus, deren Weiß- und Rotweine sehr begehrt sind.
Unser
Château Couhins stammt ebenfalls mitten aus den Vorstadtbezirken Bordeauxs. Seit 1959 gehören die Weißweine zu den klassifizierten, und damit als besonders hochwertig eingestuften, Gewächsen von Graves. Daher der Zusatz "Cru Classé" auf dem Etikett. 1969 wurde es vom französischen Agrarinstitut INRA aufgekauft, welches seitdem Weinbauforschung auf dem Weingut betreibt. Insgesamt werden 15ha mit Rotweinreben und 7ha mit Weißweinreben bewirtschaftet. Die Weißweine bestehen vorwiegend aus Sauvignon Blanc, mit einem geringen Anteil von Sémillon, der etwas mehr Struktur und Dichte sorgt. Diese beiden Rebsorten bilden die typische Cuvée eine weißen Bordeauxs. Direkt neben unserem Château liegt übrigens das bekanntere Weingut Couhins-Lurton, welches damals von André Lurton aufgekauft wurde und inzwischen zu einer der besten Weißweinadressen Bordeauxs zählt. Es handlet sich hier also um zwei verschiedene Weingüter. Bis vor ein paar Jahren wurden die Weine von Château Couhins nur an INRA-Mitarbeiter verkauft und ich habe sie auch nur im Keller lagern, weil mein Vater an einem INRA Istitut arbeitet. Inzwischen werden die Weine aber auch im Handel angeboten. Sie in Österreich zu finden dürfte aber wohl schwer werden.
Wer mehr über Bordeaux, seine Appellationen, seine Jahrgänge und seine Klassifizierungen wissen möchte, der schaue z.B. mal hier hinein:
The Winedoctor - Bordeaux und
The Winedoctor- Regional WineguidesChâteau Couhins 2004, Péssac-Léognan, Bordeaux -
NAJA - (ca. 13€)
ca. 85% Sauvignon Blanc und 15% Sémillon. Wunderschöne goldene Farbe. In der Nase recht verschlossen, aber mit markanter zitroniger Note und etwas Birne. Am Gaumen ausgesprochen füllig, trotzdem mit sehr frischer Struktur und stützender Säure. Deutliche Aromen von Birnen und Annanas am Gaumen, aber eher wie eingelegte Früchte oder wie aus Konservendosen. Dahinter eine frische zitronige Note. Auch etwas Florales mischt mit. Der Barriqueausbau ist dem Wein fast nicht mehr anzumerken, das Holz ist wirklich toll mit dem Wein verwoben. Allerdings wäre ich bei dem Aromenspektrum bei einer Blinverkostung nicht drauf gekommen, dass dies vorwiegend ein Sauvignon Blanc ist. Zeigt sich doch völlig anders als ein Südsteirer oder ein SB von der Loire. Isngesamt zeigt sich der Wein ein wenig verhalten und noch etwas säurebetont. Er ist ja auch noch recht jung für eine weißen Cru Classé. 2-3 Jahre im Keller sollten dem Wein noch zu mehr Komplexität verhelfen. Ein Wein für Geduldige also. Und zu dem Preis gibt es, wenn man ehrlich ist, in anderen Regionen durchaus Interessanteres.
88/100 Punkte
Der zweite Wein des Abends war ein Burgunder von der Côte de Beaune, dem südlichen Teil der Côte d'Or. Diese Region lässt die Herzen aller Liebhaber von Pinot Noir wohl höher schlagen, denn hier enstehen einige der besten Pinot Noirs der Welt. Die feinsten stammen zwar eher aus dem Norden (Côte de Nuits), aber auch die Côte de Beaune hat feine Weine vorzuweisen, und einge Appellationen wie Santenay sind auch preislich ein wenig freundlicher. Billig ist Burgund allerdings leider nirgends, denn die Produktion ist klein und die Nachfrage hoch.
Domaine Claude Nouveau Santenay Les Charmes-Dessus 1999, Côte de Beaune - (
BUY) - (Preis unbekannt)
Typische für Pinot Noir etwas heller in der Farbe, mit zartem Ockerrand. Recht rustikale, erdige Nas. Am Gaumen sehr samtige Textur, mittelgewichtig. Auf den ersten Schluck sehr fruchtbetont, dann treten jedoch sehr erdige und waldige Aromen hervor, welche dem Wein etwas rustikales und bodenständiges verleihen. Sicher nicht der eleganteste Pinot Noir, aber ein gefälliger und ehrlicher Wein, durchaus mit einer rustikalen Komplexität. Keinerlei Altersschwäche bislang, aber ich denke ziemlich genau auf seinem Höhepunkt. Durchaus empfehlenswert, wenn der Preis stimmt, doch den kenne ich leider nicht.
88/100 Punkte

Am Ende gab es noch eine Kuriosität. Einen 28 Jahre alten Châteauneuf-du-Pape (kurz: C9dP):
Arnaud Daumen, La Grangette des Grés, 1981. Die letzte Flasche, die von meinen Geburtsjahrgangsweinen, die mein Vater vor vielen Jahren gekauft hat, noch übrig ist.
Wie erwartet ist der Wein leider längst über den Berg: Der Korken zerbröselt, der Wein ist eine trübe Brühe, und der Geruch ist - naja - sehr gewöhnungsbedürftig. Aber in der Regel sollte man einen C9dP auch nach 10-15 Jahren trinken. 28 Jahre sind dann doch des Guten ein bisschen zu viel, zumal 1981 auch kein allzugroßer Jahrgang war. Schade, das kommt davon wenn man meint, besondere Weine nur zu besonderen Anlässen trinken zu dürfen. Lasst es uns eine Lehre sein...
Und wer gerne C9dP trinkt, dem sei hier noch empfohlen sich nach dem nun bald in den Geschäften erscheinenden 2007er Jahrgang umzuschauen. Alle großen Weinkritiker scheinen sich einig, dass 2007 an der südlichen Rhône ein ganz großer Jahrgang war. Vielleicht halten da die besten Weine auch durchaus 28 Jahre, falls jemand für seinen Nachwuchs was einkaufen möchte.