Montag, 23. Februar 2009

Gletscherhöhlen am Morteratsch

Selbst ein Weinblog wird langweilig, wenn es immer nur um Wein geht. Und als beruflicher Geowissenschaftler ist Wein ja auch nur ein Hobby meinerseits und dass irgendwann auch etwas geowisschenschaftliches im Blog erscheint, war daher wohl nicht schwer vorauszusehen. Alle die mich kennen, wissen, dass es nun ziemlich genau 5 Jahre her ist, dass ich im Rahmen meines Geo-Studiums in die Arktis, genauer nach Spitzbergen, aufgebrochen bin, und dort ein Auslandssemester verbracht habe. Auf Wein muss man dort zwar auch nicht gänzlich verzichten, es gibt im norwegischen Ort Longyearbyen ja sogar einen eigenen Liquor Store, wo man um weniger als 10 Euro allerdings nicht viel mehr als den allseits bekannten Jacob´s Creek bekommt, was per se ja schon absurd ist: Einen australischen Wein mitten in der europäischen Arktis süffeln, das ist wohl Globalisierung pur. Aber wegen dem Wein war ich natürlich nicht dort, sondern wegen dem Studium und zugegeben natürlich auch wegen dem Abenteuer.

Eine der spannendsten Freizeitbeschäftigungen während der Wintermonate war das Erforschen und Erklettern der oft hunderte Meter langen Eishöhlen in den angrenzenden Gletschern. Da im Winter kein Schmelzwasser ensteht, sind die sommerlichen Schmelzwasserkanäle durch den Gletschern trocken und begehbar, so man denn einen Einstieg findet. Wie es in solchen Höhlen dann ausschaut, seht ihr hier:

Photos einer Eishöhle
Photos einer Moränenhöhle
weitere Photos aus Spitzbergen

Und wenn nun jemand neugierig geworden ist und nicht extra in die Arktis fliegen möchte, dann hab ich gute Neuigeiten. Am schweizer Morteratschgletscher sind dieses Jahr mehrere Eishöhlen enstanden und auch für Touristen begehbar. Die Höhlen sind ebenfalls vom Schmelzwasser erodiert worden. Da die Gletscherzunge aufgrund fehlenden Einachschubs derzeit relativ unbewegt ist, sind die Höhlen nicht wie sonst bei temperierten Gletschern üblich bereits eingebrochen bzw. plastisch deformiert worden, sondern noch intakt. Wer sie sehen möchte, sollte sich jedoch beeilen. Mit der nächsten Ablationsperiode im Sommer ist das Naturspektakel womöglich wieder vorbei. Beeindruckende Photos und Infos dazu finden sich auf folgender Webseite:

Swisseduc Morteratschgletscher Eishöhlen

Samstag, 21. Februar 2009

Weingut Pittnauer Cabernet Sauvignon 2006

Auch wenn nach meinem Geschmack derzeit die Blaufränkisch-Weine in Summe die besten Rotweine Österreichs darstellen, und es mit Zweigelt und St. Laurent auch weitere gute Traditionssorten gibt, so ist es doch auch immer interessant zu sehen, was die heimischen Winzer aus den inzwischen vermehrt angebauten internationalen Sorten erzeugen. Eine der international am weitest verbreiteten und bekannten Rebsorten ist die Cabernet Sauvignon, welche u.a. im Médoc von Bordeaux, in Chile und in Kalifornien hervorragende Weine hervorbringt. In Österreich sind derzeit nicht einmal 1% der Rebflächen mit Cabernet bestockt, was wohl auch daran liegt, dass die Rebsorte in unserem Klima laut Ansicht einiger Experten nur schwer zur Reife kommt. Eine entsprechende Kritik an den Cabernet Weinen Österreichs findet sich auch im aktuellen Rotweinguide von Falstaff. Ob berechtigt oder nicht, mag und kann ich hier nicht beurteilen, denn allzuviel Erfahrung habe ich mit österreichischen Cabernets einfach nicht. Ein Großteil des erzeugten Weins wird auch nicht reinsortig abgefüllt, sondern als Stütze in diversen Cuvées eingesetzt. Die wenigen reinsortigen Cabernets sind im Vergleich zu den heimischen Sorten eher auf der teuren Seite. Ausgefallenes kostet halt immer etwas mehr. Der heutige Cabernet Sauvignon vom Weingut Pittnauer in Gols ist mit seinen €6 ab Hof durchaus günstig. Inzwischen produzieren und verkaufen die Söhne der Familie jeweils einen eigenen Wein und wenn ich mich nicht irre war dies noch ein gemeinsames Produkt.

Weingut Pittnauer, Cabernet Sauvignon 2006 - NAJA - €6 ab Hof

In der Nase etwas käsig und schokoladig. Am Gaumen mittlere Fülle, sehr trocken, etwas rauchig, wieder sehr schokoladig, mit leichter aber passender Bitternote; auch Lakritzbonbons. Ingesamt sehr verhaltende Frucht. Von den typischen "Schwarze Johanissbeer-Aromen" des Cabernets ist hier nichts zu finden und auch die aus Bordeaux und Chile bekannten Zedernholznoten sind nicht vorhanden, aber gut, die stammen ja auch eher aus dem Holz und weniger von der Rebsorte. Es fehlt etwas an Säure, die dem Wein etwas mehr Lebendigkeit geben würde. So wirkt das ganze ein wenig plump. Solides und recht geschmeidiges Tannin. 2-3 Jahre im Keller werden dem Wein nicht schaden, auch wenn er sich jetzt bereits sehr gut trinkt. Eher ein Solo-Wein als ein Essensbegleiter.

86/100 Punkte

Dienstag, 17. Februar 2009

Zantho St. Laurent 2006

Heute mal ein Vertreter der Sorte St. Laurent im Blog, eine Rebsorte die ich gelegentlich sehr gerne trinke. Sie gehört zur Burgunderfamilie, ist offenbar mit dem Pinot Noir verwandt, und wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Frankreich über Deutschland auch nach Österreich eingeführt, wo sie besonders in der Thermenregion würzige und samtige Weine ergibt. Um dichte und lagerfähige Weine zu erhalten muss der Ertrag bei St. Laurent jedoch stark reduziert werden.
Der heutige Wein stammt von der Winzergenossenschaft "Zantho", welche in der Region Andau rund 70ha Weinfläche bewirtschaftet. Eine Gruppe von Winzern wird hier vom bekannten Winzer Josef Umathum bei der Rebenpflege und Lese beraten. Die Trauben werden dann an den Winzerkeller in Andau geliefert, wo in einer modernen Weinkellerei die diversen Weine aus österreichischen Sorten für einen nationalen aber auch vermehrt internationalen Markt produziert werden.
Auffallend ist das gelungene Etikett mit der pannonischen Waldeidechse. Marketingtechnisch sehr ansprechend und mit hohem Wiederekennungsfaktor. Der Name Zantho ist laut Auskunft auf der Webseite übrigens ein altmagyarisches Wort für "kargen, steinigen Boden" und wurde bereits 1488 als Name für das heutige Andau verwendet. Offensichtlich eine Referenz an die typischen Bodenverhältnisse im Norden der Region, tiefe Schotterböden mit mineralischen Kieseln, die in ihrer Zusammensetzung an die Region Graves in Bordeaux erinnern.

Zantho St. Laurent 2006, Mittelburgendland - PASS - ca. 7€

Überraschend dünn und hell in der Farbe; für St. Laurent doch eher untypisch. Sehr verhaltene Nase mit leichter Weichselfrucht. Auch am Gaumen sehr schlank und saftig. Etwas unreife Weichselfrucht und Himbeeren, aber sehr verhalten. Gute Säure, leicht würzige Noten (vom Holzausbau?), aber kaum Extrakt und keinerlei Komplexität. Wenig Struktur und kaum Tannin. Kurz und dünn im Abgang. Tja, was soll man dazu sagen? Ein sauber gemachter, fehlerfreier, aber äußerst langweiliger und nichtssagender Wein. Sicher nichts was man lagern kann, sondern für den sofortigen Genuss bestimmt. Zum Dahinsüffeln in geselliger Runde sicher nicht verkehrt, und auch in der Gastronomie eine sichere Wahl für den Durchschnittsgast, aber jeder der gerne anspruchsvolleren Wein trinkt, und ich vemute das tun die meisten Leser hier, wird hiermit keine rechte Freude haben. Um den Preis gibt es so viel Interessanteres von den kleinen Winzern im Burgenland. Die überaus guten Bewertungen von Falstaff und einigen anderen österreichischen Weinmedien kann ich wirklich nicht nachvollziehen.

83/100 Punkte

Donnerstag, 12. Februar 2009

Wieviel Flasche braucht ein Wein?

Eine interessante Thematik hat die bekannte englische Weinkritikerin Jancis Robinson auf ihrem Blog kürzlich erneut aufgegriffen: Das Gewicht von Weinflaschen. Jedem gelegentlichen Weintrinker wird die breite Vielfalt an Flaschentypen und die unterschiedlichen Flaschendicken bereits aufgefallen sein. Von 300g schweren Flaschen bis 1,2 Kilo schwere Flaschen ist mir schon vieles untergekommen. Die österreichischen Winzer, das möchte ich hier positiv hervorheben, greifen in der Mehrzahl zu leichten Flaschen zwischen 300-550g. Interessanterweise sind es oft Weine aus weit entfernten Gegenden, wie Südamerika, Nordamerika, Australien, etc, welche die schwersten Flaschen auf den Markt bringen. Das ein Transport solcher Flaschen um den halben Globus nicht sonderlich ökologisch ist, kann sich jeder denken. Warum also eine über ein Kilo schwere Flasche befüllen und um die Welt verfrachten, wenn auch eine 350g schwere Flasche den selben Schutz bietet?

Vermutlich verkaufen sich die protzig und wuchtig wirkenden Flaschen einfach besser. Der Durchschnittskonsument kauft nunmal sehr stark nach dem äußeren Erscheinungsbild der Flasche und des Etiketts. Und ohne hier eine Genderdiskussion vom Zaun brechen zu wollen, kann ich mir durchaus vorstellen, dass besonders Männer sich von wuchtigen Flaschen angesprochen fühlen, da diese doch einen schwereren Wein suggerieren. Ich ertappe mich da ja auch selbst des öfteren. Vielleicht sollten wir uns als Wein-Konsumenten alle mal an der Nase packen und uns fragen, ob wir nicht auf Weine in allzu schweren, protzigen Flaschen verzichten können und damit selbst eine Tendenz zu leichteren Flaschen in Bewegung setzen.

Nun es gibt natürlich auch von Seiten der Produzenten Bemühungen Weine kostengünstiger und dabei ökologischer zu transportieren. Eine Möglichkeit ist, die Weine, z.B. aus Australien, erst in Europa abzufüllen und sie vorher in gekühlten mit speziellen Folien ausgelegten Containern (Flexitank) zu transportieren. Wie so etwas ausschaut gibt es auf Jamie Goode´s Blog zu sehen. Welche Auswirkungen das auf den Wein hat, darüber weiß ich leider nicht viel. Aber auch der Transport in der Flasche ist ja alles andere als optimal.

Am ökologischsten ist es in diesem Kontext aber natürlich auf einheimischen Wein zurückzugreifen, der nicht erst um die halbe Welt transportiert werden muss. Aber manchmal wünscht man sich halt auch etwas Abwechslung. Und mit einer leichteren Flasche und einem etwas besseren ökologischen Gewissen, schmeckt der Wein aus der Ferne dann gleich nochmal so gut. Oder?

Mittwoch, 11. Februar 2009

Schützenhof Blaufränkisch Weinberg 2005

Kaum hat man von einem interessanten Preis-Leistungs-Wein aus dem fernen Südamerika berichtet, zeigen einem die heimischen Winzer wieder mal eindrücklich, dass sie hier keinen Vergleich scheuen müssen. Im Gegenteil. Der heutige Blaufränkisch Weinberg vom Weingut Schützenhof kostet genauso viel wie der Telteca Antá Malbec zum Normalpreis (€8,50) und im gestrigen direkten Vergleich, gab es für uns einen klaren österreichischen Gewinner.

Das Weingut Schützenhof der Familie Faulhammer-Körper befindet sich in Deutsch-Schützen im Südburgenland. Rund 12 ha werden derzeit bewirtschaftet. Mit traditionellen Rebsorten und mit u.a. auf Auslandsefahrungen basierendem Know-how ist hier ein modernes, aber traditionsbewusstes Weingut entstanden. Ein Großteil der Weine, speziell die Cuvées, werden im kleinen Eichenfass ausgebaut, teilweise auch bis zu 2 Jahren. Für meinen Geschmack geraten die Weine mitunter aber etwas zu holzlastig und dadurch etwas unausgewogen. Eine für mich gute Alternative ist daher der Blaufränkisch Weinberg, der aus alten Rebbeständen ensteht, und in Barriques in zweiter Füllung ausgabaut wird. Dadurch sind die Holznoten weniger markant und die Frucht kommt besser zur Geltung. Außerdem ist der Wein dadurch früher zugänglich. Positiv ist auch hevorzuheben, dass ein Großteil der Weine des Schützenhofs erst nach mindestens einem Jahr zusätzlicher Lagerung in den Verkauf kommen. So erhalten die Weine die nötige Reife und werden nicht wie so viele Weine in Österreich zu früh getrunken ohne je ihr ganzes Potential ausspielen zu können. Ein zumindest wirtschaftlich gesehen auch mutiger Schritt, der sich qualitativ aber auszahlt.

Schützenhof Blaufränkisch Weinberg 2005, Deutsch-Schützen, Südburgenland - BUY - €8,50 ab Hof

Sehr dunkles Rubinrot. Sehr intensives Bukett nach dunklen Beeren, v.a. Brombeeren und Schwarzkirschen. Auch etwas Würziges schwingt mit. Am Gaumen saftig und üppig mit herrlich seidiger Struktur. Sehr reifes und dezentes Tannin. Neben reifen Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren, auch wieder etwas kirschiges. Neben der vollen Frucht auch eine markante zedernholzige Würze, die wohl auf den Barrique-Ausbau zurückzuführen ist, und die herrlich mit dem Wein verwoben ist. Genau die Menge an elegantem Holz, die den Wein nicht erschlägt, sondern ihm Struktur und zusätzliche Komplexität gibt. Im recht langen Nachgeschmack feine Zartbitterschokolade und feine Johannisbeernoten. Ein perfekt ausbalancierter und trinkanimierender Wein, der trinkreif ist, aber auch noch ein paar Jahre Lagerpotential hat. Ein toller Erfolg im vermeintlich schwierigen 2005er Jahrgang.

Im Vergleich mit dem Telteca Antá Malbec zeigte sich deutlich dessen fehlende Komplexität und die vanillig-schokoladige Süße, die den Wein doch ein wenig gekünstelt wirken ließ. Für €8,50 ist mir dieser Blaufränker deutlich lieber. Trotzdem sind beide Weine empfehlenswert.

90/100 Punkte

Montag, 9. Februar 2009

Telteca Antá Malbec 2004

Jetzt wäre es zwar mal wieder höchste Zeit für einen österreichischen Vetreter im Blog, aber aus aktuellem Anlass werde ich heute noch einen argentinischen Wein einschieben. Den schon einmal im Blog erwähnten Telteca Antá Malbec 2004 gibt es derezeit wieder um €6,50 im Angebot bei Interspar (bzw. www.weinwelt.at). Der Wein hat durch hohe Bewertungen im Wine Advocate (Parker...) zuletzt für ein wenig Furore gesorgt und ist um den Preis durchaus probierenswert. Daher hier noch schnell eine Vekostungsnotiz:

Telteca Antá Malbec 2004, Mendoza - BUY - (derzeit €6,50 bei Interspar, ca. 10€ bei Wein&Co)

Dunkles Rubinrot. Intensive Brombeeraromen in der Nase. Dahinter Schokolade und Eukalyptus, aber auch etwas leicht störend chemisches, wie verbranntes Gummi oder frisch aufgetragener Lack. Am Gaumen wiederum sehr offene und expressive Brombeerfrucht, mit etwas Lakritze und jeder Menge sahnigem Schoko-Vanille-Pudding mit einer leicht rauchigen Note. Sehr geschmeidige Textur, aber mit durchaus markantem Tanningerüst. Wobei die Tannine sehr reif und zugänglich sind. Sehr gute Säure, welche dem Wein die nötige Frische gibt, um nicht klobig zu wirken. Und der schokoladige Nachgeschmack ist beeindruckend langanhaltend; eine leichte Bitterkeit kommt hier jedoch auch durch. Alles in allem ein hervorragend "gemachter" Wein zu einem wirklich günstigen Preis. Weder eine eindimensionale Fruchtbombe, noch der besonders komplexe Wein. Am Ende fehlt es mir doch ein wenig an Individualität und Finesse, um die hohe Bewertung des Wine Advocates nachvollziehen zu können. Auch die Süße und der vanillig-schokoladige Geschmack stören mich in ihrer Üppigkeit ein wenig. Vielen dürfte aber wohl gerade dies gefallen. Und um den Preis, sollte man bei der Kritik nicht kleinlich werden. Mit einem gutem Steak oder im schon heiß ersehnten Sommer zum abendlichen BBQ kann ich mir kaum einen besseren Wein vorstellen. Zu einem argentinischen Wein passt ein argentinisches Asasdo einfach am besten. Und lange lagern würde ich den Wein auch nicht mehr. Da riskiert man höchstens, dass die Frucht irgendwann an Opulenz verliert und der Wein damit auch einen Großteil seines Charmes.

88/100 Punkte

Jetzt würde mich auch noch ein Vergleich mit einem französischen Malbec aus Cahors reizen, aber das gibt es vielleicht ein anderes mal...

Übrigens: Auch der Weinpapst, ein weiterer österreichischer Weinblogger, hat den Antá Malbec kürzlich verkostet und in seinem Blog berichtet. Wer vorbeischauen mag, findet seine Notizen hier.

Freitag, 6. Februar 2009

Altes und Neues aus Frankreich

Vor ein paar Tagen waren wir bei einem Freund zum Essen eingeladen und haben dazu einige französische Weine getrunken. Als erstes stand ein Bordeaux auf dem Programm. Für die meisten ist Bordeaux wohl der Inbegriff für Rotwein, und das durchaus zu Recht, denn rote Bordeaux haben den weltweiten Rotweinstil maßgeblich mitgeprägt und gehören auch heute noch zu den gesuchtesten und faszinierendsten Weinen.

Dass es in Bordeaux aber auch exzellente Weißweine gibt, wissen dagegen viele Leute nicht. Und ganz ehrlich, es gibt auch nicht viele Weinhändler in Österreich, die weißen Bordeaux in ihrem Sortiment haben. Schade, denn viele Weißweine sind ebenso faszinierend wie ihre roten Gegenstücke. Angefangen von den eher einfachen Weißen aus Entre-deux-Mers geht es bis zu den großen und lagerfähigen Cru Classé Weinen aus Péssac-Léognan.

Unser weißer Bordeaux stammt aus Péssac-Léognan. Diese Appellation liegt direkt südlich der Stadt Bordeaux, ja zum Teil sogar mitten in den Vorstadtvierteln Bordeauxs, und existiert in ihrer Form erst seit 1987, als die besten Gemeinden der übergeordneten Region Graves zu einer eigenen Appellation zusammgefasst wurden. Die Gründung dieser Appellation ist isbesondere einem Mann zu verdanken: André Lurton (siehe Artikel). Ohne seine großen Aufkäufe von Weingütern in der Region und seinen Kampf um die Gründung einer eigenen Appellation wäre ein Großteil von Péssac-Léognan heute verstädtert oder verwaldet. Heute finden sich hier viele bekannte Châteaus, deren Weiß- und Rotweine sehr begehrt sind.
Unser Château Couhins stammt ebenfalls mitten aus den Vorstadtbezirken Bordeauxs. Seit 1959 gehören die Weißweine zu den klassifizierten, und damit als besonders hochwertig eingestuften, Gewächsen von Graves. Daher der Zusatz "Cru Classé" auf dem Etikett. 1969 wurde es vom französischen Agrarinstitut INRA aufgekauft, welches seitdem Weinbauforschung auf dem Weingut betreibt. Insgesamt werden 15ha mit Rotweinreben und 7ha mit Weißweinreben bewirtschaftet. Die Weißweine bestehen vorwiegend aus Sauvignon Blanc, mit einem geringen Anteil von Sémillon, der etwas mehr Struktur und Dichte sorgt. Diese beiden Rebsorten bilden die typische Cuvée eine weißen Bordeauxs. Direkt neben unserem Château liegt übrigens das bekanntere Weingut Couhins-Lurton, welches damals von André Lurton aufgekauft wurde und inzwischen zu einer der besten Weißweinadressen Bordeauxs zählt. Es handlet sich hier also um zwei verschiedene Weingüter. Bis vor ein paar Jahren wurden die Weine von Château Couhins nur an INRA-Mitarbeiter verkauft und ich habe sie auch nur im Keller lagern, weil mein Vater an einem INRA Istitut arbeitet. Inzwischen werden die Weine aber auch im Handel angeboten. Sie in Österreich zu finden dürfte aber wohl schwer werden.

Wer mehr über Bordeaux, seine Appellationen, seine Jahrgänge und seine Klassifizierungen wissen möchte, der schaue z.B. mal hier hinein: The Winedoctor - Bordeaux und The Winedoctor- Regional Wineguides

Château Couhins 2004, Péssac-Léognan, Bordeaux - NAJA - (ca. 13€)

ca. 85% Sauvignon Blanc und 15% Sémillon. Wunderschöne goldene Farbe. In der Nase recht verschlossen, aber mit markanter zitroniger Note und etwas Birne. Am Gaumen ausgesprochen füllig, trotzdem mit sehr frischer Struktur und stützender Säure. Deutliche Aromen von Birnen und Annanas am Gaumen, aber eher wie eingelegte Früchte oder wie aus Konservendosen. Dahinter eine frische zitronige Note. Auch etwas Florales mischt mit. Der Barriqueausbau ist dem Wein fast nicht mehr anzumerken, das Holz ist wirklich toll mit dem Wein verwoben. Allerdings wäre ich bei dem Aromenspektrum bei einer Blinverkostung nicht drauf gekommen, dass dies vorwiegend ein Sauvignon Blanc ist. Zeigt sich doch völlig anders als ein Südsteirer oder ein SB von der Loire. Isngesamt zeigt sich der Wein ein wenig verhalten und noch etwas säurebetont. Er ist ja auch noch recht jung für eine weißen Cru Classé. 2-3 Jahre im Keller sollten dem Wein noch zu mehr Komplexität verhelfen. Ein Wein für Geduldige also. Und zu dem Preis gibt es, wenn man ehrlich ist, in anderen Regionen durchaus Interessanteres.

88/100 Punkte


Der zweite Wein des Abends war ein Burgunder von der Côte de Beaune, dem südlichen Teil der Côte d'Or. Diese Region lässt die Herzen aller Liebhaber von Pinot Noir wohl höher schlagen, denn hier enstehen einige der besten Pinot Noirs der Welt. Die feinsten stammen zwar eher aus dem Norden (Côte de Nuits), aber auch die Côte de Beaune hat feine Weine vorzuweisen, und einge Appellationen wie Santenay sind auch preislich ein wenig freundlicher. Billig ist Burgund allerdings leider nirgends, denn die Produktion ist klein und die Nachfrage hoch.

Domaine Claude Nouveau Santenay Les Charmes-Dessus 1999, Côte de Beaune - (BUY) - (Preis unbekannt)

Typische für Pinot Noir etwas heller in der Farbe, mit zartem Ockerrand. Recht rustikale, erdige Nas. Am Gaumen sehr samtige Textur, mittelgewichtig. Auf den ersten Schluck sehr fruchtbetont, dann treten jedoch sehr erdige und waldige Aromen hervor, welche dem Wein etwas rustikales und bodenständiges verleihen. Sicher nicht der eleganteste Pinot Noir, aber ein gefälliger und ehrlicher Wein, durchaus mit einer rustikalen Komplexität. Keinerlei Altersschwäche bislang, aber ich denke ziemlich genau auf seinem Höhepunkt. Durchaus empfehlenswert, wenn der Preis stimmt, doch den kenne ich leider nicht.

88/100 Punkte

Am Ende gab es noch eine Kuriosität. Einen 28 Jahre alten Châteauneuf-du-Pape (kurz: C9dP): Arnaud Daumen, La Grangette des Grés, 1981. Die letzte Flasche, die von meinen Geburtsjahrgangsweinen, die mein Vater vor vielen Jahren gekauft hat, noch übrig ist.

Wie erwartet ist der Wein leider längst über den Berg: Der Korken zerbröselt, der Wein ist eine trübe Brühe, und der Geruch ist - naja - sehr gewöhnungsbedürftig. Aber in der Regel sollte man einen C9dP auch nach 10-15 Jahren trinken. 28 Jahre sind dann doch des Guten ein bisschen zu viel, zumal 1981 auch kein allzugroßer Jahrgang war. Schade, das kommt davon wenn man meint, besondere Weine nur zu besonderen Anlässen trinken zu dürfen. Lasst es uns eine Lehre sein...

Und wer gerne C9dP trinkt, dem sei hier noch empfohlen sich nach dem nun bald in den Geschäften erscheinenden 2007er Jahrgang umzuschauen. Alle großen Weinkritiker scheinen sich einig, dass 2007 an der südlichen Rhône ein ganz großer Jahrgang war. Vielleicht halten da die besten Weine auch durchaus 28 Jahre, falls jemand für seinen Nachwuchs was einkaufen möchte.