Donnerstag, 26. März 2009

Brunello di Montalcino 2004

Viele Österreicher lieben Italien, und da das Land weiterhin die wichtigste Urlaubsdestination der Österreicher ist, verwundert es kaum, dass auch den italienischen Weinen eine überproportional große Rolle im heimischen Weinmarkt eingeräumt wird. Zugegeben, so schlecht ist das nicht, denn es lassen sich in Italien ja mehr als genug fantastische Weine finden. Einer der bekanntesten Weine Italiens ist der Brunello di Montalcino, der wohl berühmteste Wein aus der Toskana. Der Brunello ist ein Klon der berühmten Sangiovesetraube, und es verwundert nicht, dass die Bewohner von Montalicino diesen natürlich für den besten Klon halten. In großen Jahren können die Weine wirklich fantastisch komplex ausfallen und durch die Ertragsreduktierung im Weingarten und den langen Ausbau in Barrique und Holzfass sind sie für eine lange Lagerung im Keller bestens gerüstet. In schwierigen Jahren ist der vorgeschriebene Ausbau für viele Weine aber manchmal zu lang und so kommen viele Weine als einfachere, kürzer ausgebaute Rosso di Montalcino auf den Markt. Diese Weine, die oftmals auch nur von jungen Rebstöcken stammen, sind meist der günstigere Einstieg in die Welt der Weine aus Montalcino, und so lässt sich ohne allzu große Ausgaben entdecken, ob einem diese Wein-Stilistik überhaupt zusagt.

In den letzten Jahren gab es viel Diskussion über die Brunellos aus Montalcino, als aufgeflogen ist das einige Winzer, darunter auch sehr bekannte Namen, ihre Weine mit Trauben aus anderen Regionen und von anderen Rebsorten verschnitten haben. Das hat zwar der Qualität an sich nicht geschadet, vielleicht sogar eher geholfen, aber es ist nunmal laut Regelwerk verboten, denn Brunello muss demnach ein reinsortiger Sangiovese sein.

Inzwischen ist die Diskussion um den Brunello-Skandal wieder etwas abgeflaut. Wohl auch deshalb, weil mit der Annata 2004 wieder ein ganz großer Brunello-Jahrgang auf den Markt kommt, sowohl was Qualität, als auch die Quantität angeht. Zumindest ist dies die Ansicht der meisten Weinkritiker. Mein Budget übersteigen diese Weine leider fast immer, denn billig ist Brunello bei der immer noch hohen Nachfrage nunmal nicht, und somit kann ich hier leider keine eigenen Notizen beisteuern. Für alle, die der Jahrgang interessiert, stelle ich hier aber eine Liste von rezenten professionellen Verkostungen, Notizen auf privaten und kommerziellen Weinblogs und weitere Informationen zu Brunello allgemein zusammen. So sollte jeder etwas passendes finden. Werde die Liste ergänzen, sobald ich was Neues lese. Falls jemand weitere Webseiten zum Thema kennt, hinterlasst doch bitte einen Kommentar mit Link, dann füge ich sie hinzu.

Brunello di Montalcino 2004 - weiterfürhende Links:

Verkostungen:

Falstaff Brunello Verkostung
Wine Spectator Brunello 2004 Verkostung
Falstaff Toskana Centrale Verkostung (für alle die lieber bei Chianti und co. bleiben. Jahrgänge 05/06)
Michael Liebert's Weinblog
Vinum Brunello Verkostung (hier muss man sich erst gratis und unverbindlich anmelden, dann stehen einem sämtliche Verkostungsnotizen von Vinum der letzten Jahre unter "Degustationen" zur Verfügung)

Weitere Blogs und Links:

Wine library tv: Brunello di Montalcino 2004
Brunello di Montalcino in Wikipedia
Das Brunello-Konsortium

Mittwoch, 25. März 2009

Sauvignon Blanc aus der Steiermark

Gestern haben wir eine kleine private und offene Verkostung von mehreren steirischen Sauvignon Blancs der letzten drei Jahrgänge gemacht. Die Jahrgänge 2006 und 2007 waren ja sehr gut in der Steiermark und die ersten 2008er konnten z.T. auch schon überzeugen. Die meisten Weine waren klassische im Stahltank vinifizierte Sauvignons, welche eher jung getrunken werden sollten, und der ein oder andere Wein zeigte auch schon eine gewisse Altersmüdigkeit. Aber alles weiter in den Verkostungsnotizen:

Weingut Langmann Sauvignon Blanc 2008, West-STMK, St. Stefan/Stainz - BUY - (ca. 7€ ab Hof)

Die Nase erinnert etwas an die Isabella-Traube des Uhudlers und an Maracuja. Am Gaumen ein sehr blumiger Eindruck, Hollerblüten, nussige Noten, mineralisch. Sehr intensive, offene Aromatik. Jung und spritzig, gute Säure und ein spürbar hoher Restzucker als Geschmacksträger. Sehr gelungener frischer Sommerwein. - 86/100 Punkte

Weingut Langmann Sauvignon Blanc Greisdorf 2008, West-STMK, St. Stefan/Stainz - BUY - (ca. 7€ ab Hof)

In der Nase markante schwarze Ribisel. Am Gaumen eher grasig, Nesseln, mineralisch , frisch und spritzig. Auch hier guter Körper und eine gewisse Restsüße. Etwas komplexer und mineralischer als der einfache Sauvignon. Gelungen. - 87/100 Punkte

Erwin Sabathi Sauvignon Blanc Klassik 2008, Leutschach - PASS - (ca. 10€ ab Hof)

Enorm CO2-haltig. Das sollte nicht sein. Nase sehr verhalten. Am Gaumen sehr trocken, säurebetont und mineralisch. Wenig Frucht, leicht grasige Noten. Wirkt sehr unterentwickelt. Braucht etwas Zeit in der Flasche, aber vielleicht auch einfach zu früh gefüllt? - 85/100 Punkte

Weingut Schwarz Sauvignon Blanc Klassik 2007, Kitzeck - NAJA - (€ 7,50 ab Hof)

Verhaltene Nase. Elegant am Gaumen mit Nesselnoten und Stachelbeeren; grasig und mineralisch. Schöner, dezenter Essensbegleiter. Ein wenig abflachend am Gaumen. Hat seine jugendliche Frische seit letztem Jahr schon verloren. Sollte bald ausgetrunken werden. - 86/100 Punkte

Wohlmuth Sauvignon Blanc 2007, Kitzeck - BUY - (ca €9 ab Hof)

Typische SB-Nase mit Hollerblüten, Gras und Stachelbeeren. Am Gaumen vergleichsweise füllig und schwer, perfektes Spiel zwischen Fruchtsüße und Säure, schöne Mineralik. Trinkanimierende Stilistik. Noch recht frisch und mit langem Abgang. Ein schöner, eher kräftiger Essensbegleiter. - 88/100 Punkte

Pongratz Sauvignon Blanc 2006 - PASS - (ca €7,50 ab Hof)

Sehr merkwürdige Nase, die an Silogras und Käse erinnert. Ein Kollege meinte Dosenfisch zu riechen. Am Gaumen noch sehr frisch und lebendig, ausgesprochen grasige Aromen. Insgesamt aber eher sortenuntypisch Aromen. Hat mir nicht gefallen.Vielleicht auch schon zu alt. - 84/100 Punkte

Weingut List Sauvignon Blanc 2006 - BUY - (ca: €7 ab Hof)

Fast lieblich anmutende florale Nase mit Rosen und Hollerblüten. Am Gaumen ebenfalls sehr blumige Aromatik, gute Fülle und Säure. Ausgesprochen lebendig und frisch. Erinnert aromatisch mitunter an Traminer. Die grasigen Noten der anderen Weine fehlen hier. Süßliche grüne Paprika im Nachhall. Etwas untypisch aber gelungen. - 87/100 Punkte

Weingut Tement Sauvignon Grassnitzberg 2006 - BUY - (ca €15 ab Hof)

Typischer Sauvignon mit Gras, Hollerblüten, Stachelbeeren; Johannisbeerblättern und dazu eine markante Zitrusnote. Sehr frisch und elegant strukturiert mit mineralischen Noten. Sehr gute Fülle, vielleicht ein wenig zu breite Stilistik. Perfekt als Essensbegleiter. Nicht ganz billig, aber sehr gut. - 89/100 Punkte

Weingut F.&E. Lentsch Grauburgunder 2007, Nordburgenland; Podersdorf - BUY - (ca €5 ab Hof)

Außer Konkurrenz quasi, gab es am Ende noch einen Grauburgunder vom Weingut Lentsch. Der zeigte sich ungemein füllig und kräftig, trocken, sehr würzig und bei allem wunderbar ausbalanciert. Ein klasse Essensbegleiter und ein toller Wein um den Preis. - 88/100 Punkte


Und wer jetzt noch nicht genug von Sauvignon Blanc hat, der kann sich ja gerne noch folgenden Weinkurs zum Thema Sauvignon von Jancis Robinson anschauen. Der Filmbeitrag ist in 4 Kurzvideos zu je ca. 8 Minuten aufgeteilt und berichtet über Anbaugebiete in Neuseeland, der Loire und in Chile und diskutiert deren verschiedene Weinbau-Philosophien. Der Beitrag ist vielleicht nicht mehr ganz aktuell, aber vermittelt trotzdem schöne Einblicke in die Welt des Sauvignon.

Hier findet ihr die Videos:

Video 1:
Video 2:
Video 3:
Video 4:

Dienstag, 24. März 2009

Weingut Helmuth Renner - Cuvée Altenberg 2003

Das Weingut vom Birgit und Helmuth Renner in Gols ist ein Familienbetrieb, der rund 13ha Rebflächen bewirtschaftet. Der Schwerpunkt liegt auf den roten Sorten Zweigelt und Blaufränkisch, aber auch Weißweine aus Chardonnay und Weißburgunder finden sich im Sortiment. Die Cuvée Altenberg ist der Topwein des Hauses und wird aus Blaufränkisch, Merlot und Zweigelt gekeltert, welche in der berühmten Hanglange Altenberg direkt nördlich von Gols mit ihren schweren kalkhaltigen Lehmböden wachsen und reifen. Die Reben sind dort bis zu 45 Jahre alt. Durch starke Ertragsreduktion (nur 30hl pro Hektar) entsteht hier ein tiefgründiger, dichter und komplexer Wein. Mit dem 2003er Jahrgang, ja das Jahr mit dem heißen Sommer, ist den Renners ein fantastischer Wein gelungen, der vor ein paar Jahren in fast allen heimischen Weinmedien für Aufsehen gesorgt hat. Mit etwas Glück habe ich ein paar Flaschen zum Schnäppchenpreis bekommen und es gibt halt so Weine bei denen man sich nachher einfach nur ärgert, dass man nicht gleich eine ganze Kiste zum günstigen Preis besorgt hat. Zum Normalpreis von rund 28 Euro ist der Wein dann doch deutlich über meinem Weinbudget.

Weingut Helmuth Renner - Cuvée Altenberg 2003, Neusiedlersee, Gols - BUY - (Normalpreis ca. 28€; evtl. noch bei Interspar/weinwelt.at, Vinorama, WeinGrube.com, Morandell)

Enorm dichtes und dunkles rot. Direkt nach dem Öffnen eine unglaublich betörende Nase mit reifen Brombeeren, Johannisbeeren, Zwetschgen und einem würzigen Touch von Zimt und Gewürznelken. Nach mehrstündigem Sauerstoffkontakt verflüchtigen sich die volatilen Moleküle ein wenig und die Nase verliert etwas an Kraft. Also unbedingt gleich nach dem Öffnen mal hineinschnüffeln! Es lohnt sich wirklich. Am Gaumen zeigt der Wein eine fantastische Struktur, mit feinmaschigen und noch leicht spürbaren Tanninen, die sowohl von den Weintrauben als auch dem 22-monatigen Ausbau in neuen Barriques stammen. Das Holz ist wunderbar eingebunden und sorgt für eine süß-würzigen Umrahmung der fokussierten und üppigen Johannisbeer- und Brombeerfrucht. Perfektes Süße-Säure-Frucht-Spiel. Lang im Nachgesschmack mit herrlicher dunkler leicht bitterer Schokoladenote. Einzig der etwas brennende Abgang (mit 14,5% Alk vielleicht doch etwas zu hoch geraten) ist ein wenig störend, aber ich will hier nicht das Haar in der Suppe suchen. Ohne Zweifel einer besten österreichischen Rotweine, die ich bislang verkostet habe. Einfach ein toller Wein von internationaler Klasse! Trinkt sich jetzt erstaunlich gut, aber kann auch noch liegen. Zu einem einfachen aber delikaten roten Fleisch oder einem Pilzgericht ein herrlicher Begleiter, dem man bei einem Essen durchaus die Rolle der ersten Geige überlassen sollte, um ihn wirklich voll genießen zu können. - 92/100 Punkte

Montag, 23. März 2009

Olwitschhof Morillon Sernauberg 2007

Auf die Weine von Otto und Theresia Riegelnegg vom Olwitschhof sind wir über einen geschenkten und fantastischen Muskateller-Sekt aufmerksam geworden, eine Spezialität des Hauses (siehe entsprechenden Blog-Eintrag). Neben dem Sekt werden auch exzellente stille Muskateller Weine, die perfekt als Aperitif passen, erzeugt. Aber auch dieser klassisch ausgebaute Morillon (=Chardonnay) von der Lage Sernauberg ist wirklich hervorragend gelungen. Es überrascht nicht, dass der voherige Jahrgang 2006 Landessieger in der Kategorie der Burgunderweine wurde. Auch der 2007er Morillon konnte bei der letztjährigen Austrian Wine Challenge mit 88,7 Punkten überzeugen. Eher überrascht es, dass das Weingut dennoch nicht allzu bekannt ist.

Otto & Theresia Riegenegg/Olwitschhof, Morillon Sernauberg 2007 - BUY - (€ 7,50 ab Hof)

Sehr expressive und einladende Nase mit Aromen von "Golden Delicious" Apfel, Honigmelone, Zitrusfrucht und einer mineralischen Note. Auch am Gaumen üppige Frucht von Afpel und Melone, aber auch eine grasige, nussige und stark mineralische Komponente. Buttrig weiche Textur, ein Hauch von Restsüße und ein eleganter stimmiger Gesamteindruck bis in den fülligen, runden Nachhall. Ein Wein, der kühle burgundische Züge mit einer durchaus kräftigen reifen Frucht vereint, und welcher sowohl Kennern und Gelegenheitstrinkern gleichermaßen munden dürfte. Ein sehr gelungerner Morillon zu einem mehr als fairen Preis. Trinkt sich jetzt hervorragend, aber sollte auch 2-3 Jahre lagerfähig sein. - 88/100 Punkte

Jancis Robinson - Wein-Videos

So, nun ist auch die bekannte englische Weinkritikerin und -Journalistin Jancis Robinson auf den Geschmack von Wein-Videos für ihre Internetklientel gekommen, und wir können von ihrem Weinwissen ab sofort gratis unter http://www.youtube.com/jancisrobinson profitieren. Zugegeben, es ist nicht so lustig, wie Oz und James's Weinabenteuer in Frankreich und Kalifornien, und wirkt phasenweise zu sehr nach einem etwas pathetischen Aufsagen von auswendig gelerntem und zuvor geschriebenem Text, aber nicht jeder ist halt so locker und spontan vor der Kamera. Trotzdem lässt sich eine Menge Interessantes erfahren. Die ersten drei Themen sind bereits online, also einfach mal reinschauen.

Mittwoch, 18. März 2009

Oz and James's Big Wine Adventure

Was passiert, wenn ein zwei völlig konträre und schräge Persönlichkeiten, der Weinexperte Oz Clarke und der Motorsport-Journalist James May, der von Wein bislang rein gar nichts versteht, gemeinsam durch Frankreichs und Kaliforniens Weinregionen reisen, um auch dem überzeugten Autonarr (französische) Weinkultur näherzubringen? Keine Frage, es wird verdammt lustig und nebenbei gibt's eine Menge zum Thema Wein zu lernen und zu entdecken.

Die Kultsendung "Oz and James's Big Wine Adventure" mit Staffel 1 über Frankreich und Staffel 2 über Kalifornien gibt es nun auch gratis zum herunterladen im Netz. Ein "must-see" für alle Weinfans. Selten so viel während einer Weinsendung gelacht...

Die einzelnen Sendungen findet ihr unter diesem Link. Viel Spaß beim anschauen!

Dienstag, 17. März 2009

MandraRossa Fiano 2007

Wann haben Sie denn das letzte mal einen Wein aus der Fiano-Traube getrunken? Noch nie! Kein Problem, das hab ich bis gestern auch nicht. Aber ab und zu macht es doch Spaß was Neues auszuprobieren. Gestern war es also ein Fiano-Wein aus Sizilien. Die autochtone weiße Fiano-Traube wurde bereits von den Römern in Kampanien angebaut. Ihr lateinischer Name vitis apiana geht laut Wikipedia offenbar auf ihre Große Anziehungskraft für Bienen zurück. Fiano liefert meist aromatische, fruchtige und nussige Weine.

Der heutige Wein stammt aus der Genossenschaftskellerei Settesoli im sizilianischen Ort Menfi. Er wird unter dem Label "MandraRossa" vermarktet. Bei den großen jährlichen Decanter World Wine Awards hat dieser Wein letztes Jahr den höchsten Trophy Award als bester Weißwein unter 12Pfund gewonnen, eine Auszeichnung, die nur die besten 1-2 Prozent aller eingereichten Weine erhalten. Bei Interspar (weinwelt.at) gab es diesen Wein vor einigen Monaten um 5€. Nachdem ich mir die Lage der Genossenschaft auf Google Earth ( 37°35'46.09"N und 12°57'25.16"E) und die Webseite der Genossenschaft ein wenig angeschaut habe, war ich aufgrund der Photos von riesigen Stahltanks im Ausmaß einer Industrieanlage, doch ein wenig skeptisch, ob der Wein wirklich so gut sein kann. Aber das war bei einer Genossenschaftskellerei, welche insgesamt 6500ha bewirtschaftet, wohl anzunehmen. Hilft halt nur probieren...

MandraRossa Fiano, 2007, Sizilien - BUY - (5€ bei Interspar/weinwelt.at)

Gelb-goldene Farbe. Sehr offene, fast parfümiert wirkende Nase mit Anklängen von Aprikosen, Zitrusfrüchten und Granny Smith Äpfeln. Erinnert ein wenig an jungen frischen Riesling. Wiederkehrende Aromen am Gaumen, sehr fruchtbetonte Stilistik und überraschend füllig. Erst setzt eine intensive Aprikosenfrucht ein, welche zunehmend von einer säurebetonten Zitronenfrucht und intensivem Dosenbirnensaft abgelöst wird. Im Nachhall setzt sich eine leicht bittere Grapefruitnote durch. Insgesamt ein schlichter, aber fülliger, sauber gemachter und erfrischender Wein. Durchaus ansprechend und sein Geld wert. Begeistern tut mich der Wein jedoch auch nicht. Wer mal was Neues probieren möchte, dem sei der Wein um den Preis durchaus empfohlen. - 86/100 Punkte

Spargelwein aus Österreich

Eine der schönsten Dinge am Frühling ist wohl, dass es endlich wieder frisches knackiges Gemüse am Markt gibt. Und das wohl beliebteste in dieser Zeit ist frischer Spargel, mmmmhhhhh. Pünktlich vor Beginn der Spargelsaison hat die "weinausoesterreich"-Website einen Weinführer für Spargel mit eine Auswahl an Spargel-Rezepten auf ihrer Homepage veröffentlicht. Ich selbst bin ja ein Liebhaber von Sauvignon Blanc oder Weißburgunder zu Spargel (versteht sich ja auch von selbst, als Bewohner der Steiermark...), aber ja, warum denn nicht auch mal ein Grüner Veltliner, Rivaner, Riesling...

Weinführer und Rezepte finden sich hier als pdf

Mittwoch, 11. März 2009

Meixner Blaufränkisch Barrique Alte Kultur 2003

Meixner Blaufränkisch Barrique Alte Kultur, 2003 - Südburgenland - PASS - (ca. 11€)

Dunkle kräftige Farbe. Intensive säuerliche Brombeerfrucht mit hervorstechender Alkoholnote (Rumtopf) in der Nase. Am Gaumen saftig und würzig, hoher Säuregehalt. Leider wieder sehr alkohollastig. Kaum mehr merkbares Holz, wirklich perfekt integriert, nur die Würze ist übrigeblieben. Dunkle Brombeerfrucht mit Anklängen von Nougat und dunkler Schokolade. Durchaus komplex und schön gereift. Mittlere Dichte und wieder alkoholischer Abgang. Leider aufgrund des hohen Alkoholgehalts nicht wirklich harmonisch, sonst hätte der Wein 1-2 Punkte mehr verdient. Schade! Wohl ein generelles Problem in heißen Jahren wie 2003. Viele stört der Alkohol wohl weniger als mich, aber ich kann dem internationalen Trend zu schweren Alkoholbomben nicht sehr viel abgewinnen. Nach meiner bisherigen Erfahrung können nur wenige Weine mit über 14% Alkohol, diesen vollständig einbinden und das auch nach Jahren des Reifens, wenn die jugendliche Frucht nachlässt. Kein schlechter Wein, aber ein rechter Trinkspaß kommt auch nicht auf. Um das Geld gibt es Besseres. - 87/100 Punkte

Dienstag, 10. März 2009

Wine Advocate: Spitzenbewertungen für Österreichs Weine

Nachdem wir Österreicher ja ohnehin am liebsten unsere heimischen Weine trinken, überrascht es uns dies wohl kaum: Im neuen Wine Advocate von März 2009 regnet es Spitzenbewertungen für Österreichs Winzer vom Österreich-Verkoster David Schildknecht. Von 644 aufgelisteten Weinen erreichten 265 Weine, das sind über 40%, Bewertungen über 90 (Parker-) Punkte, darunter 16 Weine über 95 Punkte. Diesmal hat mit dem "Blaufränkisch Neckenmarkter Alte Reben 2006" von Moric auch ein österreichischer Rotwein die 95-Punkte Hürde genommen. Mit 44 Rotweinen über 90 Punkten zeigt sich deutlich, dass nun auch die Rotweine im internationalen Vergleich mitmischen können.

Müssen wir heimischen Weintrinker angesichts des wiedererstarkten Dollarkurses, des ohnehin guten Preis-Leistungsverhätnisses österreichischer Weine und der seit Jahren steigenden Exportzahlen bei österrischischem Wein nun fürchten, dass uns die Amerikaner und andere die heimischen Weine alle vor der Nase (und dem Gaumen) wegkaufen? Wohl kaum! Denn neben den von Herrn Schildknecht verkosteten Weinen gibt es ja noch Hunderte weitere Winzer, die ähnliche Qualitäten liefern, jedoch (noch) nicht in den Portfolios der amerikanischen Weinimporteure wie Terry Theise auftauchen. Solange die Importeure und amerikanischen Weinkritiker sich an die großen Namen halten, von denen meist ohnehin schon seit langem bekannt ist, dass sie guten Wein machen, gibt es für die heimischen Weinliebhaber ja noch genug aufstrebende Jungwinzer, die es abseits der international vermarktenden Weinszene zu entdecken gilt. Und das in der Regel zu weit moderateren Preisen. Außerdem muss mein Geschmack ja auch nicht mit dem von Herrn Schildknecht übereinstimmen.

Trotzdem, Gratulation natürlich allen erfolgreichen Winzern, die mal wieder gezeigt haben, dass Österreich bei weiß und inzwischen auch rot durchaus zur Weltspitze gehört. Wir haben es ja eh schon längst gewusst, oder? ;-)

Alle Bewertungen des Wine Advocate finden sich auf der Wein aus Österreich Homepage.

Wer sich meine bescheiden Verkostungs-Beiträge zu den österrichischen Rotweinen aus 2006 durchlesen möchte, der schaue mal hier auf cellartracker vorbei.

Montag, 9. März 2009

Neue Verkostungen...

Da ich in den letzten Tagen wieder etwas blog-faul war, gibt es nun wieder ein paar Verkostungen zum Nachtragen. Diesmal aus Österreich (Mittelburgenland, Nordburgenland und Steiermark) und aus Spanien. Fangen wir gleich mit den Österreichern an:






  • Karl und Anni Riegelnegg - Rivaner 2007, Südsteiermark - NAJA - (Preis?)
  • Hinter dem Begriff Rivaner verbirgt sich die (vielen vermutlich ebenso unbekannte) Müller-Thurgau Traube, welche vor einigen Jahrzehnten, bevor sich die internationalen Sorten in Österreich durchgesetzt haben, noch zu den wichtigsten heimischen Weißweinsorten gehörte. Sie ist eine Kreuzung aus Riesling und Gutedel und ergibt leichte, florale, oft jedoch auch recht ausdruckslose Weine. Im Anbau gilt sie als eher unkompliziert.
  • Verkostung: Sehr floral in der Nase mit markanten Blütenhonignoten. Auch am Gaumen blumig, Honig und eine Prise Muskatnuss. Durchaus intensive Aromatik. Sehr gute Säure für einen Rivaner, leichte Restsüße. Noch etwas Kohlensäure im Wein. Erinnert mich mit seiner Frische an einen niveauvollen weißen Spritzer. Mit seiner Blumigkeit und Restsüße nicht gerade ein Essensbegleiter, aber ein schöner Aperitifwein. Ein gelungener und typischer Rivaner/Müller-Thurgau. - 86/100 Punkte
  • Andreas Neubauer, Blaufränksich Gaudi 2004, Mittelburgenland, Deutschkreutz - PASS - (Preis: ca. 5 Euro)
  • Der Familienbetrieb Neubauer bewirtschaftet rund 6,5 Hektar Rotweinfläche um Deutschkreutz im Mittelburgenland. Leider haben die Weinnamen in den letzten Jahren immer wieder gewechselt, so dass ich mich inzwischen nicht mehr ganz auskenne. Ich vermute der Gaudi ist nun der "normale" Blaufränkisch. Vielleicht aber auch der "DAC"?
  • Verkostung: Kirschen und dunkle Beeren in der Nase. Am Gaumen kirschig, leicht, extraktarm, ein wenig zu eindimensional und etwas zu säurebetont. Ein sauberer und einfach gestrickter Wein ohne Komplexität, der seinen Zenit wohl schon überschritten hat. Also bald austrinken. Keine Empfehlung, da ohnehin schon am Ende seiner Trinkzeit. - 84/100 Punkte
  • Franz und Elisabeth Lentsch, Blaufränkisch Hoförtl 2006, Nordburgenland, Neusiedlersee - BUY - (Preis: €4,60 ab Hof)
  • Das Weingut der Familie Lentsch hat in den letzten Jahren nach einem kompletten Umbau der Kelleranlage zunehmend auf sich aufmerksam gemacht. Zahlreiche Auszeichnungen bei der Landesweinverkostung und in diversen Weinmagazinen, machen das Weingut zweifellos zu einem der Shooting-Stars der letzten Jahre. Trotzdem ist man preislich und marketingtechnisch am Boden geblieben, was jeden Weinliebhaber nur freuen kann. Die Weine zeichnen sich v.a. durch ihre Eleganz und Harmonie, sowie perfekt eingebundene Qualitätsholznoten vom Fassausbau aus. Weine, die mit viel Gespür für Nuancen und Feinheiten enstehen.
  • Verkostung: Etwas verhalten in der Nase. Brombeeren und ein Hauch von Zwetschken. Am Gaumen leichtfüßig, geschmeidig und elegant. Schöne Brombeer-Kirschfrucht mit einer markant würzigen Note. Sehr gut integrierte Säure. Hier passt einfach alles zusammen. Toller Trinkspaß. Ein wunderbarer Speisenbegleiter und Solowein für jeden Tag. Sicher, das ist kein komplexer Lagerwein, aber ein herrlicher trinkreifer kleiner Blaufränkisch zu einem absolut fairen Preis. In deutschen Blogs wurde zuletzt viel diskutiert, ob es "guten" Wein um unter 5€ geben kann. Natürlich werden sich die Geister immer daran scheiden, was nun unter "gut" zu verstehen ist. Aber der BF Hoförtl ist sicher ein "gutes" Beispiel, dass man in Österreich durchaus in dieser Preisklasse fündig werden kann.- 87/100 Punkte
  • Finca Omblancas, Delaín 2004, Spanien, Jumilla - BUY - (Preis: ca. 10€, Mövenpick)
  • So, nun noch ein Spanier zum Abschluss. Ein Wein aus der klimatisch heißen Anbauregion Jumilla in der Region Murcia. 2004 war in vielen Anbauregionen Spaniens ein sehr guter Jahrgang. Dieser Wein besteht aus der Sorte Monastrell (= Mourvèdre), eine Traube die i.d.R. dunkelfarbige, fruchtbetonte, tanninreiche und würzige Weine ergibt. Der Delaín der Finca Omblanca wurde nur rund 3 Monate im Holzfass ausgebaut, und die stellt somit die Frucht in den Vordergrund. Wer in Google Earth mal nachschauen möchte, wo das Weingut liegt, findet es unter: 38°29'58.19"N 1°21'5.62"W. Leider kann ich bei blogspot keine .kmz Files hochladen, das wäre sonst noch praktischer.
  • Verkostung: Sehr dunkle und opake Farbe. Die Nase zeigt sich sehr würzig, speckig, mit Lakritzanklängen, Schwarzkirschen und einer erdigen Note. Am Gaumen intensive Frucht von dunklen Beeren (Brombeeren, etwas Johannisbeere) und Schwarzkirschen. Sehr fruchtbetont, aber auch markante Sekundäraromen von Teer & Lakritze. Gute Säure, die den Wein lebendig hält. Mittellanger Nachgeschmack mit einer trockenen teerigen Komponente. Erstaunlich komplex für einen doch eher einfach vinifizierten Wein der unteren Preisklasse. Jetzt trinkreif und macht einfach Spaß. - 88/100 Punkte