Donnerstag, 30. Juli 2009

Rotweinduell: Südfrankreich vs. Süditalien

Südfrankreich und Süditalien sind nicht nur beliebte Urlaubsregionen, sondern auch eine Quelle von zahlreichen exzellenten Weinen. Abseits der berühmten Appellationen der nördlicheren Breiten, lassen sich hier z.Z. noch wahre Wein-Schnäppchen finden, zumindest wenn man sich die Zeit nimmt die Spreu vom Weizen zu trennen. Beide Regionen erleben derzeit eine Neuentdeckung und Wiederbelebung der historisch verwurzelten Weinlandschaft. Namen wie Languedoc, Roussillon, Kampanien, Apulien, Sardinien werden längst wieder mit Wein in Verbindung gebracht. Doch trotz dieser Gemeinsamkeit entwickeln sich die Südregionen beider Länder auch sehr unterschiedlich.

Süditaliens Stärke sind die zahlreichen autochthonen Qualitätsrebsorten. Negroamaro, Aglianico, Nero di Troia, Primitivo, Nero d'Avola, ,... sie alle bieten den Reiz des Neuen und Unbekannten und eröffnen auch der stark genossenschaftlich und in Großbetrieben strukturierten Weinlandschaft des Südens (v.a. Apulien) eine Marktnische im Billigsegment abseits des von Cabernet, Merlot und Chardonnay aus Australien, USA und Chile dominierten Marktes. Dass viele Produzenten auch im Eichenfass gereifte Lagerweine hervorbringen, macht die Weine auch für Qualität suchende Weintrinker interessant. Auch hier sind die Preise noch vergleichsweise niedrig, wobei gerade auf Sardinien und in Kampanien ja einige international bekannte Kellereien auch längst Spitzenweine mit ebensolchen Preisen produzieren.

In Südfrankreich schaut die Sache etwas anders aus. Zwar ist die große Region zwischen den Pyrenäen bis nach Italien auch eine historische Weinregion, allerdings waren abseits des berühmten Rhone-Anbaugebietes die meisten der alten Weingärten mit Rebsorten bepflanzt, welche zwar für einfachen Landwein und die Armagnac-Produktion zufrieden stellend sind, aber im Qualtätsweinbau nur wenig Erfreuliches hervorbrachten. Angesichts des sinkenden Interesses an einfachen Tischweinen musste die Region reagieren. Weinberge wurden gerodet, viele Nebenerwerbswinzer mussten in den letzten Jahren ihre Jobs aufgeben, und dort wo weiterhin Weinbau betrieben wird, fanden neue Rebsorten ein zu Hause. Nach ersten eher erfolglosen Versuchen mit Cabernet Sauvignon und Merlot, wurden auch im Languedoc-Roussillon die an der südlichen Rhone typischen Rebsorten Syrah, Grenache und Mourvèdre zu den wichtigsten Sorten. Wobei im Languedoc besonders Syrah den Ton angibt, während an der südlichen Rhone die Grenache-Traube dominiert. Oft findet sich auch ein Schuss Carignan von alten Rebstöcken in den Weinen. Mit diesen sonnenverwöhnten, fruchtigen und oftmals durchaus lagerfähigen Weinen katapultieren sich die Appellationen Südfrankreichs langsam aber sicher zurück auf die Weinkarten der Welt. Das liegt auch an den zahlreichen engagierten Familienbetrieben und den kleinen Genossenschaften, letztere besonders im Roussillon. Abseits der Rhone wird weiterhin viel experimentiert - die in Frankreich sonst so strengen Weingesetze sind im Süden relativ großzügig und flexibel - und so wird sich in den nächsten Jahren weiterhin viel bewegen. Viele Subregionen müssen ihren eignen Stil erst noch finden, bis dahin sind die einzelnen Produzenten wohl wichtiger als die Appellationen.

Genug der einleitenden Worte, letztlich zählt was im Glas ist. Daher gab es vor kurzem die Idee einer privaten Vergleichsverkostung mit Weinen aus beiden Regionen. Hier meine Notizen und Empfehlungen:


Italien:

Li Veli Passamante 2007, Salento, Apulien (ca. 9-10 Euro, u.a. Wein&Co)

Reinsortiger im Stahltank ausgebauter Negroamaro aus dem Salento in Apulien. Die Masseria Li Veli ist ein Projekt des toskanischen Weinunternehmens Avignonesi. Üppiger rote und dunkle Früchte in Nase und am Gaumen. Zuerst auch eine leicht mineralisch-blutige und erdige Note. Dann setzen sich die für Negroamaro typischen Süße- und Bitternoten durch. Trotz der üppigen Frucht erstaunlich frisch und leicht. Ein feiner, wenngleich etwas einfach gestrickter "Gesellschaftswein". Auch für laue Sommerabende am Balkon eine Empfehlung. Trinkreif - 2011. - 87 Punkte
(Das Weingut auf Google Earth: 40°27'27.70"N 17°57'46.86"E )

Cantine Due Palme, Selvarossa Riserva 2004, Salento, Apulien (ca. 10 Euro, u.a. Wein&Co)

Der Spitzenwein der großen Genossenschaftskellerei Cantine Due Palme überzeugt mit Dichte und Frucht. Tolle Farbe; in der Nase ein dunkler Fruchtcocktail mit Lakritzaromen, Schokotouch, einer ausgeprägten Fruchtsüße und einer herben Coca-Cola Note. Ungemein füllig und geschmeidig, gute Säure und perfekt eingebautes geschmeidiges Tannin. Ein wirklich toller Weinwert, wenn einen die Süße nicht stört. Als Essensbegleiter ist er nicht wirklich empfehlenswert. Trinkreif - 2011. - 88 Punkte
(Das Weingut auf Google Earth: 40°28'37.43"N 17°57'46.86"E )

Vinosia Aglianico 2007, Irpinia, Kampanien (ab ca. 8 Euro)

Die junge und moderne Kellerei Vinosia wird von den (Ex-)Önologen der berühmten Kelleri Feudi di San Gregorio geführt. Die Weine basieren auf traditionellen Rebsorten, aber sind modern ausgebaut. Die hohen Bewertungen von Luca Maroni und dem Weinwisser für das umfangreiche Sortiment zeugen von einem gelungen Start. Dieser "Standard"-Aglianico stammt vom hügeligen und vulkanisch geprägten Hinterland Neapels. Der würzige, saftige und fruchtbetonte Wein ist derzeit noch von massiven Tanninen geprägt, welche von einer erfrischenden Säure und dunklen Amarenakirschen gekontert werden. Zusammen mit den mineralischen Anklängen und der dezent vanillig-würzigen Holznote zeigt sich der Wein durch und durch italienisch - sprich ein hervorragender Essensbegleiter. Einziges Manko: Im Nachgeschmack ist der Wein dann doch erstaunlich schlank und eher kurz. Trotzdem ein klasse Tropfen um diesen Preis. Sollte sich noch etwas in der Flasche entwickeln. - 88+ Punkte

Torrevento Riserva Vigna Pedale 2005, Castel del Monte, Apulien (Billa: € 5,99 !!!)

Dieser reinsortige Wein aus Nero di Troia stammt wieder aus Apulien, diesmal aus der Region Castel del Monte. Tolles Fruchtspiel in der Nase: exotische Gewürze, Kirschen und Zwetschken. Auch am Gaumen faszinierendes Kirschen-Zwetschken-Spiel mit exotischer Würze, Tabak und dezentem Holzeinsatz. Ausgesprochen elegante Stilistik, fast nördliche Kühle ausstrahlend, dennoch tiefgründig und mit sonnenverwöhnten aber noch etwas anspruchsvollem Tannin. Ein bis drei Jahre im Keller sollten dem Wein durchaus noch gut tun. Für mich der Wein des Abends! Für die 6 Euro, die der Wein beim Billa kostet, ist er wirklich sensationell gut. Sicher derzeit einer der besten "Supermarktweine" in Österreich und vielleicht der günstigste 3-Gläser Gambero Rosso Wein. Im deutschen Weinhandel kostst der Wein meist um 8 Euro. PROBIEREN dringend empfohlen! - 91 Punkte


Frankreich:

Domaine Valambelle Florentin Abbal 2004, Faugères, Languedoc-Roussillon (ca. 9 Euro)

Diese Cuvée aus der Region Faugères vereint Syrah (80%), Grenache (10%) und Mourvedre (10%) und zeigt sich süffig und mit angenehm ländlichem Touch. Im Stahltank ausgebaut steht die leichte und frische rotbeerige Frucht im Vordergrund, gepaart mit erdigen und würzigen Noten. Runde Tannine, ein Hauch von weißem Pfeffer und Lakritze kommen noch dazu, und so ergibt sich ein ehrlicher, würziger und typischer Vertreter des Languedocs, der nun perfekt zu trinken ist. - 88 Punkte


Château de Lancyre Vieilles Vignes 2005, Pic St. Loup, Languedoc-Roussillon (ca. 10 Euro)

Das Anbaugebiet Pic St. Loup gehört zu den kühleren Zonen des Languedoc. Auch die vom Kalk geprägten Böden sind ein Markenzeichen von Pic St. Loup und ergeben im Idealfall feingliedrige mineralisch geprägt Weine. Diese Cuvée besteht aus Syrah und Grenach. Tolle purpurne Farbe, aber sehr verhaltene Nase. Tanninbetont am Gaumen, sehr viel Struktur, die auf lange Haltbarkeit schließen lässt, aber die Frucht ist im Vergleich zu den anderen Weinen heute Abend sehr zurückhaltend. Die Holznoten sind leicht bitter und unsauber (Brett?). Derzeit unausgewogen und ein wenig eindimensional. Vielleicht in 2-3 Jahren besser, aber ganz überzeugt bin ich davon nicht. - 86 Punkte

Domaine les Grands Bois Cuvée Philippine 2007; Côtes du Rhône Villages (ab ca. 8 Euro)

Dieser Côtes du Rhône Villages aus dem hoch gelobten 2077er Jahrgang gehört für Robert Parker zu den Top-Wein-Werten des Jahrgangs. Leider war keine Zeit zum Belüften und das hat man dem Wein dann doch deutlich angemerkt. Sehr verschlossen und wenig Frucht. Trotzdem zeigte ich eine tolle feine Tanninstruktur, saubere dunkle Fruchtanklänge, leicht rauchige Noten, etwas Milchschoko und eine pfeffrige Würze. Der Alkohol ist perfekt eingebunden. Ein sehr guter Essensbegleiter, der aber am besten noch 1-2 Jahre auf der Flasche ruhen sollte. So begeistert wie Robert Parker, war von uns niemand. Ein sehr guter Côtes du Rhône, zum sehr guten Preis, aber auch nicht mehr. - 88+ Punkte
(Das Weingut auf Google Earth: 44°14'24.76"N 4°53'5.85"E ?? )

Domaine de la Tourade 2003, Gigondas

Dieser Gigondas war leider eher eine Enttäuschung. Der Hitzejahrgang 2003 macht sich leider deutlich durch den hervorstechenden Alkohol bemerkbar. Portig und bereits leicht oxidiert (bei Grenache ist das ja oft ein Problem) mag er nicht wirklich gefallen. Auch die schöne Würze, elegante Tanninstruktur und gute Säure könne da nichts mehr retten. Es fehlt an Balance. - 81 Punkte


Domaine Roc des Anges Vieilles Vignes 2003, Côtes du Roussillon Villages (ca. 15 Euro)

Carignan dominierte Cuvée aus dem Roussillon. Tolle dunkle Farbe. Rote und Dunkle Beeren in de Nase. Am Gaumen tanninbetont, komplexe Struktur, dicht, dennoch frisch und süffig, noch sehr jung wirkend. Die dunklen Beerennoten werden von reichlich dunkler Schokolade und exotischen Gewürzen begleitet. Toller, lang anhaltender Abgang mit viel Bitterschoko im Nachhall. Alle, die glauben, aus Carignan ließe sich kein großer Weine erzeugen, sollten diesen Wein probieren. Ein perfektes Beispiel für die Qualität von alten Carignan-Reben. Ist seinen höheren Preis wert. - 90 Punkte
(Das Weingut auf Google Earth (Ort Montner): 42°44'57.72"N 2°40'37.96"E )


Domaine de Familongue Les 3 naissances 2003, Coteaux du Languedoc (ca. 15 Euro)

Das besondere an dieser Cuvée aus allen wichtigen Resborten des Südens ist, dass sie nicht nur im Barrique ausgebaut, sondern auch fermentiert wurde. Ob dies der Grund für die Geschmeidigkeit der Tannine ist (oder doch die mehrfache Mikrooxidation ?) weiß ich nicht, aber der Wein begeistert durch seine weiche und dichte Struktur. Samtig wie ein guter Burgunder, nur deutlich stoffiger und konzentrierter. Feine dunkle Beerenfrucht, dezente Würznoten, jede Menge Milchschokolade, ein Hauch von Vanille, ein dezent erdiger Touch und eine angenehme herbe Note im Nachgeschmack machen den Wein zu einem stimmigen und genussvollen Gesamtpaket. Perfekte Trinkreife erreicht. Sehr empfehlenswert, wenngleich ebenfalls etwas teurer. - 90 Punkte

Donnerstag, 23. Juli 2009

A la Carte Verkostung: Grüner Veltliner 2008

Eine aktuelle Verkostung von 331 Grünen Veltlinern des Jahrgangs 2008 findet sich auf der Webseite von A la Carte. Bewertet wurde je ein Wein pro Weingut.

Montag, 13. Juli 2009

Interspar Weinwelt Gutscheine

Auch wenn ich meine Weine am liebsten "ab Hof" beziehe, da ich beim Weinkauf auch die Gespräche mit den Winzern, das Verkosten der Weine und einfach den Besuch der Weinregionen schätze und so zudem im guten Gewissen wieder abreise, dass der Winzer auch einen fairen Preis für seinen Wein erhalten hat, so ist es natürlich trotzdem oft praktisch seinen Wein auch beim Fachhandel zu beziehen. Die Vorteile liegen auf der Hand: großes, diverses (auch ausländisches) Angebot, bequeme Zusendung der Weine, z.T. interessante Angebote (v.a. wenn bei Lagerräumungen ältere gereifte Jahrgänge billig verkauft werden). Zu den größten Weinhändlern in Österreich gehört bekanntermaßen die Weinwelt von Interspar, deren Angebot ich persönlich auch für qualitativ sehr gut halte. Weniger bekannt ist vielleicht, dass im Internet jedes Jahr diverse Gutscheine für eine Internetbestellung auf Weinwelt.at kursieren.

Wer suchet, der findet. In dem Sinne...

Freitag, 10. Juli 2009

Falstaff Weinguide 2009/2010

Wie jedes Jahr um diese Zeit kommt auch heuer Österreichs beliebtester Weinführer, der Falstaff Weinguide, mit Mitte Juli auf den Markt. Diesmal mit Schwerpunkt auf den weißen 2008ern und den roten 2007ern. Wie man hier auf der Homepage des Falstaff nachlesen kann, gibt es eine große Veränderung dieses Jahr: Und zwar werden, offenbar im Gegensatz zu früher, nun auch "leichte" Klassik-Weine mit sehr hohen Punktzahlen über 90 Punkten bedacht, um einerseits deren Qualität zu würdigen, aber auch, um der steigenden Nachfrage nach leichten Weinen gerecht zu werden und offensichtlich auch in dem Wissen, dass das eher schwierige Weinjahr 2008 nunmal zum Großteil "leichtere" Weine hervorgebracht hat. Ich bin mir sicher, dies wird für viel Diskussionsstoff in der Weinszene sorgen. Ich persönlich bin, zugegeben, ein wenig skeptisch: So werden in guten, sonnenreichen Jahren (z.B. 2006) die kräftigen Weine gelobt und in schwierigen Jahren sind dann auch die leichten genauso gut? Führt das nicht Weinbewertungen ein wenig ad absurdum? Bei großen Weinen erwarte ich mir auch ein gewisses Potenzial für die Zukunft, das zugegeben nur schwer abschätzbar ist und auch bei (alkoholisch) leichten Weinen vorhanden sein kann, aber wohl insgesamt besonders für behutsam ausgebaute Weine aus streng selektioniertem und reifem Traubenmaterial vorhanden sein dürfte. Sollte sich "leicht" nur auf den Alkoholgehalt beziehen, so ist eine Differenzierung meiner Meinung nach ohnehin überflüssig. Ein kühles Jahr bringt nunmal weniger alkoholreiche Weine hervor. Dafür brauche ich aber keine eigene Kategorie, das kann ich am i.d.R. im Weinführer angegebenen Alkoholgehalt ablesen oder mir von vornherein denken. Aber gut, "time will tell", ob sich dieses neue Bewertungsystem durchsetzt. Um im Führer weiterhin den Überblick zu behalten, werden "Leichtweine" in Zukunft mit einem zusätzlichen "L" markiert. Auf einer Differenzierung zwischen den kräftigen (reifefähigen?) und den leichten Klassik-Weinen wird also doch bestanden.

Die besten Weinbewertungen (pro Betrieb max. ein Wein) des neuen Weinführers sind übrigens auch schon unter diesem Link einsehbar. Zum Großteil sind es auch heuer die üblichen Verdächtigen, die sich in der Falstaff-Guide-Verkostung durchsetzten. Im Vergleich zur letztjährigen "best-of Zusammenfassung" fällt auf, dass sowohl bei den Weißweinen als auch bei den Rotweinen eine Steigerung der Weinanzahl mit Bewertungen jenseits von 92 Punkten vorhanden ist. Und das obwohl gerade der Rotweinjahrgang 2006 als besonders gelungen gilt und 2008 doch sehr schwierig war. Vielleicht liegt es an einer Zunahme an Betrieben bei den Einreichungen, oder es schleicht sich langsam ein Trend zu höheren Bewertungen ein. Möglicherweise zeigten sich bei dieser Verkostung aber auch die "Spitzenweine" jedes Betriebes einfach qualitativ deutlich besser als die restlichen Weine des Sortiments, sodass auf eine markante Abgrenzung wertgelegt wurde. Inwieweit dann aber Vergleiche zu anderen Jahrgängen noch legitim sind, müsste in dem Fall hinterfragt werden. Ich persönlich sehe nach ein paar Dutzend verkosteten roten 2007ern, die Qualität der 2006er in Summe deutlich besser. Aber es gibt natürlich immer Ausnahmen.

Eine interessante Diskussion, über die Bewertung der Weine im Falstaff und das Problem mit der Beurteilung von Fassproben findet sich aktuell in diesem Forum von Talk-About-Wine (siehe auch Folgeseiten), wo Herr Moser selbst seine Bewertungsabläufe näher erläutert und auf Kritik von Blogger-Kollegen eingeht. Anregegt wurde die Diskussion auch dadurch, dass Herr Moser inzwischen ja auch die österreichischen Weine für Stephen Tanzer's International Wine Cellar bewertet, und er dort betont die Bewertungskriterien an ein amerikanisches Publikum anpasst - offenbar gelten für das österreichische Publikum andere Kriterien. Zudem werden die Weine zu einem anderen Zeitpunkt verkostet, so dass es zu verschiedenen Punktebewertungen kommen kann - was allerdings auch immer wieder ziwschen Fallstaff-Guide und z.B. dem Falstaff-Rotweinguide vorkommt und verständlich ist, da Weine sich ja entwickeln. Fragt sich nur, ob nicht ein späteres Verkosten auch für den österreichischen Markt sinnvoll wäre. Sehr sympathisch fand ich Peter Mosers Eingeständnis, dass natürlich die Verkostungen auch seine persönlichen Vorzüge widerspiegeln und ihm bekannte Winzer, die er für ihre Qualität seit Jahren schätzt, im Zweifelsfall eine höhere Punktzahl erhalten, als ihm weniger bekannte. Es gibt genug Verkoster, die glauben machen wollen, dass ihre Meinung unabhängig ist. Da finde ich einen Verkoster, der eine ehrliche Aussage bezüglich der persönlichen Beeinflussung tätig doch deutlich glaubwürdiger. Das lässt mir als privater Weintrinker zumindest genug Raum, um anderer Meinung zu sein.

Freuen wir uns also auf die neuen Weine, egal ob leicht oder kräftig, ob verdiente Punktezahlen oder nicht. Hauptsache es schmeckt und es ist für jeden was dabei. Und auch das Schmökern im Weinguide macht doch immer wieder Spaß, vor allem auch aufgrund der interessanten Kurzbeiträge zu den einzelnen Winzern.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Hagelschäden in der Südsteiermark

Die schweren Hagelschäden in der Steiermark während der letzten Wochen haben leider auch zahlreiche Weinbaubetriebe getroffen. Letztes Wochende war ich an der südsteirischen Weinstraße, u.a. in Sulztal, und viele der dortigen Weinberge waren wirklich böse zugerichtet. Aus der bekannten Lage Hochsulz wird es dieses Jahr wohl kaum etwas an Trauben zu ernten geben, auch wenn die Hagelschäden aufgrund des Zugbahnen der Gewitterzellen nur sehr lokal und meist in Streifen auftreten. Teilweise waren an den Weinstöcken einzelner Parzellen jedoch weder Trauben noch Blätter übrig. Auch in Glanz und Leutschach soll es massive Hagelschäden geben. Laut Auskunft der Hagelversicherung sind bis Ende Juni dieses Jahres bereits Hagelschäden im Ausmaß von über 15 Millionen Euro allein in der Steiermark entstanden. Auch wenn wohl die meisten Winzer in einer derart gefährdeten Region eine Versicherung abgeschlossen haben und im Großen und Ganzen den Ausfall damit finanziell verkraften dürften, so ist doch die intensive Arbeit von vielen Monaten mit einem Schlag zerstört. Ob ein solcher Schaden and den Weinstöcken auch für die Folgejahre negative Auswirkungen hat, weiß ich nicht. Vermutlich schon. Vielleicht haben die bloggenden und bloglesenden Winzer ja Zeit, dies etwas genauer zu erläutern? Würde mich interessieren, welche Auswirkungen solche Schäden auf das zukünftige Pflanzenwacstum haben.

Ein interessanter Video-Beitrag zu den Unwettern von Mitte Juni findet sich übrigens auf Steiermark.tv

Weingut Bannert Weinviertel DAC Ried Satz 2007

Zurück zum alten Format der Verkostungsnotizen!
Nachdem mir die 2006er Jahrgang dieses Weines letztes Jahr bereits sehr gut geschmeckt hat (siehe Blog-Beitrag vom letzten Dezember) und der Jahrgang 2007 von Herrn Moser des Falstaff Magazins sogar noch höher bewertet wurde, musste ich auch diesen Wein vom Weingut Bannert aus dem Weinviertel probieren. Das Bild stammt allerdings vom 2006er, die Flasche schaut aber weiterhin gleich aus.

Weingut Bannert, Weinviertel DAC Ried Satz (Grüner Vetliner) 2007 - BUY - €6,50 (ab Hof, Interspar)

Knackige, frische und leicht süße Golden Delicious Äpfel mit einem Spritzer Birnensaft und einer kühlen Mineralität prägen die Nase. Am Gaumen saftig und mit ansprechender Fülle und einer ausgeprägten stahligen Säure. Die Aromatik ist geprägt von gelben Äfpeln und einer interessanten oftmals Grüner Veltliner typischen vegetabilen Getreidenote. Im Abgang betonte Mineralik und mundwässernde Säure. Ingesamt hat mir der 2006 Jahrgang mit etwas mehr Körper und besser eingebundener Säure besser gefallen. Dennoch für den Preis ein sehr guter und typischer Veltliner. Trinkreif - 2011

86-87/100 Punkte