Montag, 19. Oktober 2009

Blaufränkisch Verkostung

Die kalten Temperaturen derzeit sprechen eine deutliche Sprache: Der Sommer ist vorüber! Die frischen spritzigen Weißweine verschwinden langsam aus dem Weinregal (abgesehen vom Sturm und Junker natürlich) und es wird Zeit für die spannenden Ausflüge zum Winzer oder in den Weinkeller, wo die über den Sommer "vergessenen" roten (Lager-)Weine schlummern. Denn Herbst und Winter sind für mich in erster Linie Rotweinzeit. Drum widmen wir und heut mal wieder den Roten - genauer dem Blaufränkisch. Um neuen Platz im Keller zu schaffen hieß das Motto "Trinkreife Blaufränker" und die ganze Palette vom einfachen Blaufränker bis zum im Barrique gereiften Lagenwein war vertreten. Interessant war, dass auch die jungen einfachen Blaufränker noch keinerlei Altersschwäche zeigten, manch gereifter Lagerwein aber doch schon mehr oder weniger deutliche oxidative Noten aufwies. Vielleicht haben manche Weine während des Ausbaus doch ein wenig zu viel Sauerstoff abbekommen oder wurden zu wenig geschwefelt. Vielleicht war es auch nur Zufall. Vielleicht ist nach 5-6 Jahren aber auch einfach schon das Ende des Lagerpotentials erreicht.

Alle Weine wurden blind verkostet ohne vorher bekannt zu sein.

Weingut Lentsch, Blaufränkisch Hoförtl, 2006 (Podersdorf):

Süße, würzige Sauerkirschfrucht in der Nase. Am Gaumen saftig und elegant, mit feiner Frucht und leichter Herbe. Geschmeidig, rund und delikat. So macht Blaufränkisch Spaß. - 87 Punkte (€4,70)

"1er"Wachter, Blaufränkisch Bründlgfangen, 2005 (Deutsch-Schützen:

Rustikalere Nase, wirkt etwas grün, dahinter Weichseln und Zwetschken. Am Gaumen eher eindimensional, recht herb und krautig, blutige Noten, etwas scharfe Säure. Es fehlt doch etwas an Balance. - 84 Punkte (ca. 5€)

Weingut Gmeiner, Blaufränkisch Novum, 2006 (Purbach)

Walderdbeeren und Kirschen dominieren Nase und Geschmack. Sehr fruchtbetont, saftig, stimmige Säurestruktur, leichtgewichtig und etwas nachgärend. Süffig und einfach, vielleicht etwas langweilig. - 84 Punkte (€6,50)

Weingut Eberherr, Blaufränkisch, 2006 (St. Margarethen):

Holzig unterlegte dunkle Früchte bestimmen die Nase. Am Gaumen entfaltet sich ein würziger und eleganter Wein, mit dezenter Vanillenote und dunkler Schoko. Recht dicht und trotzdem saftig mit reifen Kirschennoten und Brombeeranklängen. Überraschend füllig und komplex. Tolles PLV. - 89 Punkte (€ 6,50)

"1er" Wachter, Blaufränkisch Barrique, 2006 (Deutsch-Schützen):

Extrem dunkle Farbe. Tolle Komplexität in der Nase: dunkle Frucht, elegante Holzwürze, Pfeffer und nasse Wildpilze. Am Gaumen Brombeeren, reichlich Fruchtsüße, konzentriert, fast ins Marmeladige kippend, feine Holzwürze, rund und geschmeidig, dunkelfruchtiger-würziger Nachgeschmack. Im Abgang noch leicht trocknendes Tannin. Wirkt überraschend modern gemacht (Assoziationen an Scheiblhofer in der Gruppe). Dennoch sehr gut und mit Potential. - 88-89 Punkte (€ 9,50)

Kopfensteiner, Blaufränkisch Weinberg, 2005 (Deutsch-Schützen):

Sehr kräftige Stallnoten dominieren die Nase. Wirklich sehr unattraktiv. Am Gaumen dann aber saubere Aromen, ausgesprochen saftige, frischer Stil. Perfekt eingebundene Holznote, würzig, kirschig mit einem Hauch Brombeere. Wirkt noch sehr frisch und jugendlich. Welch ein stilistischer Kontrast zum Wein davor. Nur die unattraktive Nase verhindert eine bessere Bewertung. - 88 Punkte (€9,50)

Weingut Leberl, Blaufränkisch Reisbühel, 2002:

Dunkle Farbe, aber mit sichtbarem Ockerrand. Nase ist so gut wie nicht existent. Am Gaumen bereits deutlich oxidativ, aber mit feiner Holznote. Die Frucht ist so gut wie weg. Der Wein wirkt recht hohl und charakterlos. Scheint seine besten Zeiten bereits hinter sich zu haben. - 84 Punkte (€ 11,00)

Weingut Leberl, Blaufränkisch Reisbühel, 2006:

Schönes violett-purpur. Markant erdige, leicht stinkige Nase. Am Gaumen zurückhaltende Frucht, gute Struktur, aber insgesamt etwas leblos wirkend. Da fehlt mir die Frische. Hat eine sehr ähnliche Stilistik, wie der Wein zuvor. Die meisten Weinkritiker halten große Stücke auf diesen Wein, aber ich muss gestehen, ich seh das große Potential nicht. Ich rate sogar eher zum jung trinken. - 85 Punkte (€11,00)

Wieder, Blaufränkisch Bodigraben, 2004:

Dunkelrot, mit leichtem Ockerrand. Brombeerfrucht und Holzwürze in der Nase. Am Gaumen fruchtig (Kirschen und Brombeeren), würzig, Alkohol zieht leicht vor, Leder und dunkle Schokolade im Nachgeschmack. Die Tannine sind noch etwas spröde, bisher auch der tanninreichste Wein des Abends. Ernster Stil, gut strukturiert und dennoch frisch und rund. Sehr fein. Wirkt jetzt perfekt trinkreif. - 89 Punkte (€14,50)

Gmeiner, Blaufränkisch Antiquum, 2006:

Dezent erdige Nase, portig. Am Gaumen frische Minze (!), Kirschen und Kaffee. Dicht, Fruchtsüß, portig, Amaronenote, dennoch frisch und saftig, rund und durchaus bereits trinkreif. Die 16,5% (!) Alkohol sind überraschend gut weggesteckt. Ein stimmiger Winter-Wein. Gelungen. - 88 Punkte (€11,00)

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Das Weinjahr 2009 in Österreich

So schnell ist wieder ein Weinjahr vergangen und in den meisten Anbaugebieten Österreichs ist inzwischen die Lese des 2009er-Jahrgangs beendet. Nun tauchen auch die ersten Beiträge zu Qualität und Erntemenge des neuen Jahrgangs auf. Der bisherige Tenor:

Es war mal wieder kein einfaches Jahr für die österreichischen Winzer. Die starken Regenmengen zur Blüte sorgten von Beginn an für eine geringe Traubenanzahl am Stock. Weitere Ausfälle durch Pilzbefall (NÖ) und die zahlreichen Hagelschäden (v.a. in der Steiermark und in Wien) sorgten zusätzlich für eine recht geringe Erntemenge in fast allen Anbaugebieten. Der Beginn des Sommers war in vielen Regionen sicher nicht ideal - viel Regen und eher kühl - aber ein schöner Spätsommer und Herbstbeginn brachte doch noch den letzten Reifeschub und damit zum Teil auch sehr gute Traubenqualitäten. Speziell die spät reifenden Sorten dürften heuer wohl begünstigt sein (z.B. Blaufränkisch).

Weitere Details und Stimmen zu Jahrgang folgen in den nächsten Wochen... Anbei schon mal ein paar Links:

Bernhard Fiedlers Blogbeiträge zum Weinjahr 2009 im Nordburgenland
Wein aus Österreich. Erste Jahrgangsbewertung

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Wine & Spirits Top 100 producers 2009

Das amerikanische Weinmagazin Wine & Spirits wählte kürzlich ihre Top 100 Weine des Jahres 2009, welche in einigen Wochen vorgestellt werden sollen. Unter den 100 Weinen befinden sich auch beachtliche vier österreichische Weine der Weingüter Prager, Nigl, Schloss Gobelsburg und Moric unter den Top 100. Auch wenn solche Listen ein völliger Unsinn sind, darf sich der österreichische Wein ob solcher Werbung natürlich freuen.

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