Zwischen Bordeaux und der südlichen Rhone liegen stilistisch und rebtechnisch bekanntlich Welten. Viele der besten Bordeaux-Weine basieren auf Cabernet Sauvignon; viele der besten Rhone Weine vorwiegend auf Grenache. Und zwischen beiden Rotweingebieten liegt - zumindest geographisch - das weitgestreckte Languedoc. Erstgenannte Rebsorte ist bekannt dafür sehr unkompliziert im Anbau zu sein und elegante Weine hervorzubringen, zweitgenannte Rebsorte ist bekannt dafür recht hohe Erträge zu liefern und an die heißen mediterranen Sommer perfekt angepasst zu sein. So war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis genau im besagten Languedoc jemand auf die Idee kam die beiden Rebsorten Cabernet Sauvignon und Grenache zu kreuzen, wohl in der Hoffnung, sich die jeweiligen Vorteile zu nutzen zu machen. Heraus kam:MARSELAN
Geboren wurde diese Rebsorte bereits 1961 am französischen Agraginstitut INRA im namensgebenden Ort Marseillan. In der Folge wurde sie zu Versuchszwecken am INRA Weingut Domaine du Chapitre angebaut. Das Ergebnis war zunächst eine Enttäuschung, denn die erhofften großen Erträge blieben aus. Erst durch den Wandel in der Weinwirtschaft Richtung Qualität statt Quantität wuchs das Interesse an dieser Rebsorte wieder, zumal sie sich auch als äußerst resistent gegen Parasitenbefall erwies.
Seit 1990 ist die Rebsorte in die Sortenliste des CTPS aufgenommen worden und seit 1997 für den Anbau in 17 südfranzösischen Anbauregionen zugelassen. Die Rebfläche umfasst derzeit rund 25 Hektar. Auch in den USA wurde der Anbau und Import von Marselan 2007 zugelassen. Im Anbaugebiet North Coast in Kalifornien wurden inzwischen erste Reben ausgepflanzt. Weitere Bestände gibt es in der Schweiz und im Libanon.
Domaine du Chapitre, Marselan, 2005 - VdP des Collines de la Moure (Preis ab Hof €5,80)
Der heutige Wein ist derzeit also sicher als eine Kuriosität zu bezeichnen. Die Domaine du Chapitre, wo dieser Wein erzeugt wird, ist ein Forschungsweingut in der Nähe von Montpellier. Der reinsortige Marselan wird als "Vin de Pays des Collines de la Moure" verkauft - zumindest der Aussprache nach also auch ein perfekter Wein zum Valentinstag. Die Marselan-Traube ergibt einen tief dunkel gefärbten Wein. In des Nase offenbart sich eine zurückhaltende dunkle Frucht gepaart mit markanten Lakritzanklängen, Lebkuchen und einer leicht rustikal-erdigen Note. Am Gaumen zeigt sich der Wein warm (14,5% Alc.) und rund. Die Tannine sind reif aber gerade im Nachhall doch noch sehr präsent. Geschmacklich dominiert wird der Wein von einer markanten Lakritznote. Erinnert mich sehr an die Lakritzschnecken, die wir als Kinder immer gegessen haben. Daneben eine dunkle Brombeerfrucht, eine sehr herbe Bitterschokolade und eine leicht käsige Note. Im Nachhall auch leicht blutig. Ein sehr "dunkler", aber (derzeit) auch etwas plumper Gesamteindruck. Es fehlt doch ein wenig an Pepp, um dem Wein auch eine gewisse Süffigkeit zu verleihen. Aufgrund des Tannins sehe ich durchaus noch etwas Lagerpotential (wenn da nur der Plastikkork nicht wäre). Die fehlende Frische wird eine Lagerung aber auch nicht herzaubern.
Fazit: Nicht groß, aber durchaus interessant. Wer Lakritze mag, wird an diesem Wein (und dieser Rebsorte) sicher gefallen finden. Ich vermute als Verschnittpartner (z.B. mit Syrah und Grenache) ist diese Rebsorte evtl. besser geeignet als für eine reinsortige Verwendung. Ich werde es testen. Dennoch anerkennende: 82 Punkte
