Donnerstag, 26. November 2009

Marselan

Zwischen Bordeaux und der südlichen Rhone liegen stilistisch und rebtechnisch bekanntlich Welten. Viele der besten Bordeaux-Weine basieren auf Cabernet Sauvignon; viele der besten Rhone Weine vorwiegend auf Grenache. Und zwischen beiden Rotweingebieten liegt - zumindest geographisch - das weitgestreckte Languedoc. Erstgenannte Rebsorte ist bekannt dafür sehr unkompliziert im Anbau zu sein und elegante Weine hervorzubringen, zweitgenannte Rebsorte ist bekannt dafür recht hohe Erträge zu liefern und an die heißen mediterranen Sommer perfekt angepasst zu sein. So war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis genau im besagten Languedoc jemand auf die Idee kam die beiden Rebsorten Cabernet Sauvignon und Grenache zu kreuzen, wohl in der Hoffnung, sich die jeweiligen Vorteile zu nutzen zu machen. Heraus kam:

MARSELAN

Geboren wurde diese Rebsorte bereits 1961 am französischen Agraginstitut INRA im namensgebenden Ort Marseillan. In der Folge wurde sie zu Versuchszwecken am INRA Weingut Domaine du Chapitre angebaut. Das Ergebnis war zunächst eine Enttäuschung, denn die erhofften großen Erträge blieben aus. Erst durch den Wandel in der Weinwirtschaft Richtung Qualität statt Quantität wuchs das Interesse an dieser Rebsorte wieder, zumal sie sich auch als äußerst resistent gegen Parasitenbefall erwies.
Seit 1990 ist die Rebsorte in die Sortenliste des CTPS aufgenommen worden und seit 1997 für den Anbau in 17 südfranzösischen Anbauregionen zugelassen. Die Rebfläche umfasst derzeit rund 25 Hektar. Auch in den USA wurde der Anbau und Import von Marselan 2007 zugelassen. Im Anbaugebiet North Coast in Kalifornien wurden inzwischen erste Reben ausgepflanzt. Weitere Bestände gibt es in der Schweiz und im Libanon.

Domaine du Chapitre, Marselan, 2005 - VdP des Collines de la Moure (Preis ab Hof €5,80)

Der heutige Wein ist derzeit also sicher als eine Kuriosität zu bezeichnen. Die Domaine du Chapitre, wo dieser Wein erzeugt wird, ist ein Forschungsweingut in der Nähe von Montpellier. Der reinsortige Marselan wird als "Vin de Pays des Collines de la Moure" verkauft - zumindest der Aussprache nach also auch ein perfekter Wein zum Valentinstag. Die Marselan-Traube ergibt einen tief dunkel gefärbten Wein. In des Nase offenbart sich eine zurückhaltende dunkle Frucht gepaart mit markanten Lakritzanklängen, Lebkuchen und einer leicht rustikal-erdigen Note. Am Gaumen zeigt sich der Wein warm (14,5% Alc.) und rund. Die Tannine sind reif aber gerade im Nachhall doch noch sehr präsent. Geschmacklich dominiert wird der Wein von einer markanten Lakritznote. Erinnert mich sehr an die Lakritzschnecken, die wir als Kinder immer gegessen haben. Daneben eine dunkle Brombeerfrucht, eine sehr herbe Bitterschokolade und eine leicht käsige Note. Im Nachhall auch leicht blutig. Ein sehr "dunkler", aber (derzeit) auch etwas plumper Gesamteindruck. Es fehlt doch ein wenig an Pepp, um dem Wein auch eine gewisse Süffigkeit zu verleihen. Aufgrund des Tannins sehe ich durchaus noch etwas Lagerpotential (wenn da nur der Plastikkork nicht wäre). Die fehlende Frische wird eine Lagerung aber auch nicht herzaubern.

Fazit: Nicht groß, aber durchaus interessant. Wer Lakritze mag, wird an diesem Wein (und dieser Rebsorte) sicher gefallen finden. Ich vermute als Verschnittpartner (z.B. mit Syrah und Grenache) ist diese Rebsorte evtl. besser geeignet als für eine reinsortige Verwendung. Ich werde es testen. Dennoch anerkennende: 82 Punkte

Dienstag, 24. November 2009

Wellanschitz Altes Weingebirge 2005

Es gibt Weine und Jahrgänge, die einen nach einigen Jahren Reife im Keller sehr positiv überraschen. Ein Beispiel dafür ist für mich persönlich der Jahrgang 2005, zumindest was die Blaufränkisch Weine betrifft. Der gestern getrunkene Blaufränkisch "Altes Weingebirge" vom Weingut Wellanschitz war wieder ein Beweis für die hohe Qualität, die auch in diesem Jahrgang möglich war. Der Jahrgang 2005 hat zwar wetterbedingt nicht die Fülle des Nachfolgejahres 2006, aber die guten (meist spät gelesenen) Blaufränker überzeugen durch eine hervorragende Frische und Reintönigkeit, die manchmal fast schon burgundisch anmutet. Für Freunde der leichteren und trinkfreundlichen Weine also ein derzeit sehr fein zu trinkender Jahrgang.


Das Weingut Wellanschitz gehört mit rund 30ha Rebfläche zu den größeren Betrieben im Mittelburgenland. Rund um Neckenmarkt verfügt man über Rebflächen in zahlreichen bekannten Lagen (Hochberg, Bodigraben...) mit zum Teil sehr unterschiedlichen Böden. Die Lage "Altes Weingebirge" ist geprägt von tiefgründigen Lehmböden und, der Name lässt es ja schon erahnen, auch die Rebstöcke sind relativ alt, zwischen 30 und 60 Jahren. Da alte Rebstöcke weniger Ertrag erzielen, und somit zu einer natürlichen Ertragsreduktion und Aromaanreicherung führen, stehen alte Weinstöcke i.d.R. für eine höhere Wein-Qualität. Der Blaufränkisch "Altes Weingebirge" wird für 12 Monate im Barrique ausgebaut, wobei je zur Hälfte neue bzw. gebrauchte Barriques verwendet werden.

Wellanschitz Blaufränkisch "Altes Weingebirge" 2005, Neckenmarkt (ca. 9-10 Euro)

Sehr offenes und elegant feminines Bukett mit Vanille, reifen süßen Kirschen und Zwetschken. Am Gaumen recht leicht und saftig mit dezentem Tannin und bestechender Harmonie zwischen Säure, Frucht und Süße. Ausgesprochen reintönige Frucht und Mineralik, süße Kirschen und Zwetschken klingen an. Dahinter wieder eine leicht rauchige Vanillenote. Erinnert stilistisch durchaus an gute Burgunder. Wer Harmonie schätzt und wer auf Opulenz verzichten kann, der liegt hier richtig. Ein Blaufränker, der sich nicht aufdrängt, aber eine Klarheit und Balance zeigt, wie man sie leider viel zu selten findet. Unsere Flasche war ruckzuck leer - das spricht für sich. Vor dem in diesem Preissegment doch eher selten anzutreffenden Schraubverschluss braucht sich also niemand abschrecken lassen. - 88 Punkte

Montag, 16. November 2009

Weihnachtssortiment bei Hofer 2009

Nachdem so viele Suchanfragen nach dem Hofer-Weinsortiment auf dem Blog gestartet werden, soll auch heuer ein Eintrag zum Weihnachtssortiment von Hofer nicht fehlen. Ich muss gestehen, ich habe mir das diesjährige Wei(h)nachtssortiment von Hofer bislang nicht genauer angeschaut (es gibt schließlich auch bessere Quellen für guten Wein - der Winzer freut sch auf einen Besuch! :-) ), aber es war auch noch nichts Spannendes dabei. Und etwas Vergleichbares, wie die großen Bordeaux-Aktionen zur Vor-Weihnachtszeit des Schweizer Diskonters Denner, haben wir ja leider auch nicht in Österreich.
Wie schaut's also heuer aus? Online finden sich derzeit nur die Angebote bis Ende November. Da ist bislang nicht viel Interessantes dabei. Ab 30.11 gibt es allerdings den chilenischen Wein Dona Bernarda 2006 vom Weingut Luis Felipe Edwards um €12,99. Frühere Jahrgänge haben mir nicht sonderlich gefallen, aber der Wein hat bei der kürzlich abgehaltenen Austrian Wine Challenge immerhin den Sortensieg in der Kategorie Cabernet Sauvignon errungen - da war ich etwas überrascht, denn nach meinem Wissen und laut Webseite des Weingutes handelt sich hier um eine Cuvée mit i.d.R. 50-75% Cabernet Sauvignon und sonst vorwiegend Petit Verdot und einem Schuss Carmenere, die 18 Monate in französischen Barriques reift. Vielleicht wurde hier 2006 mal ein reinsortiger Cabernet gemacht? Möglich ist es natürlich. Wenn nicht, hätte der Wein aber wohl besser in die Kategorie Cuvée gepasst. Dann darf sich der Zweitplatzierte - ein gewisser Scheiblhofer - doppelt ärgern, aber er hat ja ohnehin wieder genug gewonnen (siehe Trophy-Gewinner AWC 2009).

Kürzlich hatte ich einen Wein des letztjährigen Weihnachtssortiments von Hofer im Glas: Den Las Rocas Vinas Viejas 2005 von den Genossenschaftskellereien Bodegas San Alejandro in Catalayud, Spanien. Ein reinsortiger Grenache-Wein von alten Rebstöcken, der durchaus zu beeindrucken wusste. Würzig, wenig Säure, warm (14,5%), dicht und fruchtbetont und dabei nie übertrieben klobig. Sollte es diesen Wein heuer wieder um €7,99 geben, kann ich ihn wärmsten empfehlen. (Lage des Weinguts für Google Earth-Fans: 41°15'22.96"N 1°29'34.71"W)

Mal sehen, was im Dezember dann noch angeboten wird...

A la Carte 2009/10

Die Verkostungsnotizen des "A la Carte Weinführers 2009/10" sind nun auch online abrufbar: A la Carte 2009/10

13 Rotweine mit 94 oder 95 Punkten - mmhh, manchmal meint es der unterbewusste Patriotismus vielleicht doch ein wenig zu gut. Aber ich lasse mich natürlich gerne positiv überraschen. Bislang habe ich von diesen Weinen ja erst einen verkostet und sah ihn zumindest auch bei 92 Punkten.

Freitag, 6. November 2009

Billa: -25% auf alle Getränke

Heute und morgen (6. und 7. November) gibt es beim Supermarkt Billa für Vorteilsclubmitglieder -25% auf alle Getränke, also auch auf alle Weine. Ich habe zwar keinen genauen Überblick über das Weinsortiment von Billa, kann aber den bereits hier beschriebenen Vigna Pedale 2005 von Torrevento wärmsten empfehlen. Der ist zum Normalpreis von €5,99 schon seinen Preis wert. Und wer meinem Urteil nicht traut, auch der Gambero Rosso gibt dem Wein die Höchstbewertung von 3 Gläsern und die Weinzeitschrift Vinum bewertet ihn mit sehr guten 17 von 20 Punkten. Also ausprobieren und berichten, ob er euch auch schmeckt!

(Für die Leser aus Deutschland - ich habe den Wein zuletzt auch bei www.superiore.de um €7,40 gesehen.)

Hab grad gesehen, dass bei den großen Billa-Geschäften mit "Spezial-Weinabteilung" auch einige interessante Rhone-Weine im Sortiment zu finden sind. Besonders aufgefallen ist mir die Réserve Auguste Favier der Domaine Saint-Préfert, Jahrgang 2007. Ein schwerer Chateauneuf-du-Pape für kalte Winterabende. Wer Rhone-Weine im Parker-Stil mag, bekommt heut und morgen einen 96 Punkte Wein (Wine Advocate, Wine Spectator: 95) um, zugegeben, nur "relativ" günstige 29,99 Euro - Chateauneufs gehören preislich halt auch schon zu den Luxusweinen. Die 15,5% Alk. sind aber sicher auch nicht jedermanns Sache...